Sach­versicherung

Für Unternehmen ist die Sachversicherung von großer Bedeutung. Die Versicherer schreiben in dieser Sparte jedoch seit einigen Jahren rote Zahlen. In dieser Situation versucht jeder Versicherer, die risikotechnisch günstigen Risiken für sich zu gewinnen – was zu Wettbewerb führt. Ganz anders ist es bei den „nicht wünschenswerten Risiken“. Unternehmen, die hierfür Deckungsschutz suchen, müssen mit höheren Preisen und schlechteren Versicherungsbedingungen rechnen. Dieser Trend wird verschärft durch den Umstand, dass sich zunehmend Versicherer aus diesem Teil des Marktes zurückziehen.

Marktsituation

Unternehmen werden in diesem Jahr für industrielle, gewerbliche und landwirtschaftliche Sachversicherungen voraussichtlich rund 6,5 Milliarden Euro ausgeben. Dies bedeutet einen Anstieg der Preise um 3 Prozent, womit sich ein Trend zu Preissteigerungen fortsetzt.

Die in den vergangenen beiden Jahren eingetretenen großen Feuerschäden im Bereich der Fleischverarbeitung und Chemie wirken weiter auf den deutschen Sachversicherungsmarkt nach. Die Versicherer sehen diese Art von Risiken verstärkt kritisch und sind bemüht, weniger dieser Risiken zu versichern beziehungsweise weniger Kapazität je Risiko zur Verfügung zu stellen. Es wird sich der Trend fortsetzen, dass bestimmte Branchen auf internationale Märkte zurückgreifen müssen, um ihren Versicherungsschutz zu vervollständigen.

Nach ersten Hochrechnungen wird sich der Schadenaufwand für die Versicherer im Jahr 2017 (91 Prozent) in etwa auf dem Niveau des Vorjahres bewegen (90 Prozent). Für die Versicherer würde sich damit eine Schadenkostenquote von 112 Prozent (Vorjahr: 111 Prozent) ergeben. In der industriellen Sachversicherung – ohne Gewerbe und Landwirtschaft – sind die Quoten noch deutlich schlechter.

Prämien- und Schadenentwicklung …

… in der Sachversicherung

* Hochrechnung

Quellen: GDV, eigene Berechnungen

Ausblick

Für die Unternehmenskunden wird sich der Markt auch in diesem Jahr unterschiedlich entwickeln. Gehören die Firmen zu der Risikogruppe der „wünschenswerten Betriebsarten“, wird es weiterhin Wettbewerb um sie geben. Versicherer werden versuchen, diese „wünschenswerten Risiken“ für sich hinzuzugewinnen.

Erwartete Schadenkostenquote:
112%
für das Geschäftsjahr 2017
Schutz für Risiken,
die die Versicherer als
„nicht wünschenswert“
deklarieren, muss oft im
Ausland gefunden
werden.

Völlig anders ist die Situation in Unternehmensbranchen, in denen sich in der Vergangenheit Groß- und Größtschäden ereignet haben. Diese Branchen müssen mit steigenden Preisen und höheren Selbstbehalten rechnen. Dabei verschlechtert sich zunehmend die Situation in den Bereichen Holz, fleischverarbeitende und chemische Industrie. Diese Branchen können die Vervollständigung des Versichererkonsortiums nur zu anspruchsvollen Preis- und Selbstbeteiligungskonditionen, mit Sicherheitsauflagen sowie unter Zuhilfenahme von Sonderlösungen erreichen – zum Beispiel durch internationale Märkte, Rückversicherungslösungen und Fronting. Dabei versichert ein Erstversicherer zwar in eigenem Namen, aber auf Risiko eines im Hintergrund bleibenden Rückversicherers das Sachversicherungsrisiko eines Unternehmens – mit der Absicht, dass dieses Risiko vollständig von dem hinter ihm stehenden Rückversicherer getragen wird. Der Vorteil liegt darin, dass ein Erstversicherer durch dieses Verfahren auch Deckungszusagen erteilen kann für Branchen, für die er kaum oder sogar keine Kapazität besitzt. Für die Unternehmenskunden erhöht dies die Zahl potenzieller Versicherungspartner.

Es gibt jedoch zunehmend Versicherer, die sich rundweg weigern, Deckungsschutz für die oben beschriebenen Risiken anzubieten – auch nicht zu höheren Preisen und schlechteren Versicherungskonditionen. Mittelfristig wird dies dazu führen, dass potenzielle Einnahmen für die deutschen Versicherer ins Ausland abfließen werden. Ein gutes Risikomanagement der Unternehmen wird unerlässlich. Nunmehr werden in nahezu allen Bereichen von den Firmen verbindliche Pläne zur Verringerung der Schadenrisiken als Auflage für die Fortsetzung der Deckungen gefordert.

Die Definition und Wahrnehmung eines Großschadens hat sich verschoben: Sprach man in früherer Zeit bei Schäden ab 500.000 Euro von einem Großschaden (Großschaden gemäß GDV-Definition), so rücken heute erst Schäden ab einem zweistelligen Millionenbereich in die Wahrnehmung.

Markttrends

Obwohl Naturkatastrophen weitgehend ausgeblieben sind, führen die eingetretenen Groß- und Größtschäden den Sachversicherermarkt deutlich in die roten Zahlen. Versicherungsschutz für Unternehmensrisiken, die von den Versicherern als „nicht wünschenswert“ deklariert sind, wird deshalb kreative Lösungen erfordern. Oft müssen diese im Ausland gefunden werden.

Dabei ist festzustellen, dass nicht nur risikotechnisch exponierte Großunternehmen Deckungen international nachfragen, sondern dass sich auch zunehmend mittelständische Unternehmen für internationale Versicherungslösungen öffnen.

Es ist ein Trend dahingehend festzustellen, dass Versicherungskunden ihre Deckung in Bezug auf gewünschte Höchstentschädigungssummen bedarfsgerecht einkaufen. Dies erfordert eine intensive Beratung zur Festlegung dieser Entschädigungsgrenzen – zum Beispiel durch Modellierungen von Katastrophenereignissen. Derartige Dienstleistungen werden daher verstärkt nachgefragt.

In weiten Teilen beabsichtigen die Versicherer in Bezug auf das Chemiegeschäft, die Prüfung und Einschätzung von Versicherungsrisiken einschließlich der Festsetzung eines angemessenen Preises aus den konventionellen Einheiten herauszuziehen und in speziellen, international agierenden Einheiten zu bündeln. Für Chemieunternehmen ist ungewiss, wie sich diese Umstellung auf die Deckungszusagen der Versicherer auswirken wird – besonders bezüglich der geforderten Selbstbeteiligungen.

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