Technische Versicherungen

Die Kunden in den Technischen Versicherungen dürfen bei den anstehenden Verlängerungen ihrer Versicherungsverträge in diesem Jahr mit stabilen Preisen rechnen. Es ist das fünfte Jahr in Folge ohne Preisanstieg. Die Versicherer der Sparte Technische Versicherungen erwarten für das Geschäftsjahr 2017 nach ersten Hochrechnungen des GDV eine gleichbleibend gute Schadenkostenquote von 92 Prozent (2016: 90 Prozent).

Marktsituation

2,1 Milliarden Euro werden deutsche Unternehmen Ende des Jahres für Technische Versicherungen voraussichtlich gezahlt haben. Das wäre eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahr (2 Milliarden Euro). Der Schadenaufwand, den die Versicherer für das Jahr 2017 erwarten, wird sich nach ersten Schätzungen um circa 3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erhöhen – auf rund 1,45 Milliarden Euro (2016: 1,4 Milliarden Euro). Vor dem Hintergrund der vorgenannten Zahlen dürfen die Versicherer in der Sparte Technische Versicherungen für das Gesamtjahr 2017 mit 92 Prozent (2016: 90 Prozent) von einer weiterhin guten Schadenkostenquote ausgehen.

Prämien- und Schadenentwicklung …

… in den Technischen Versicherungen

* Hochrechnung

Quellen: GDV, eigene Berechnungen

Ausblick

Angesichts der guten Ergebnisse, die die Versicherer in den vergangenen fünf Jahren in der Sparte Technische Versicherungen erwirtschaftet haben, können die meisten Unternehmenskunden davon ausgehen, dass die Preise stabil bleiben. Nur Kunden mit Verträgen, die eine hohe Schadenquote ausweisen, sollten damit rechnen, dass die Versicherer die Preise erhöhen oder höhere Selbstbehalte fordern.

Die Kapazität, die die Versicherer in dieser Sparte in Deutschland für Deckungsschutz zur Verfügung stellen, hat sich im vergangenen Jahr weiter erhöht. Somit steht dem Markt deutlich mehr Kapazität zur Verfügung, als für die Versicherung der Risiken erforderlich ist.

Die Versicherer in der Sparte Technische Versicherungen zeigen unverändert eine hohe Bereitschaft, neue Risiken zu versichern. Auch nimmt die Zahl der Versicherer zu, die über ausreichendes Know-how in der Risikoanalyse und -bewertung verfügen, um technisch komplexe Risiken und Risiken, die im Eintrittsfall wahrscheinlich Höchstschäden zur Folge hätten, zu versichern.

Erwartete Schadenkostenquote:
92%
für das Geschäftsjahr 2017
Dem Markt steht mehr Kapazität zur Verfügung, als für die Versicherung der Risiken erforderlich ist.

Markttrends

Aufgrund des anhaltenden Kostendruckes bei den Versicherern streben diese Effizienzsteigerungen an. Gleichzeitig versuchen die Versicherer, dem Druck mit detaillierten Risikoanalysen und -bewertungen zu begegnen, die sich in entsprechenden Versicherungsbedingungen und Preisen widerspiegeln.

Einige der in den vergangenen Jahren in den deutschen Markt eingetretenen Versicherer haben sich mittlerweile etabliert. Die neuen Gesellschaften zeichnen sich durch guten Service und umfangreiches Know-how bei der Analyse und Bewertung von Risiken und bei der Gestaltung des Versicherungsschutzes aus.

Auch wenn es in jüngster Vergangenheit einige Fusionen gab, hat sich die Kapazität erhöht, die die Versicherer in der Sparte Technische Versicherungen in Deutschland für Deckungsschutz zur Verfügung stellen. Hier stehen die deutschen und kontinentaleuropäischen Versicherer den UK-Märkten nicht nach.

Bei der Versicherung von Gebäudeneubauten gibt es mehr Angebote für kombinierte Produktlösungen (Bauleistungs- und Haftpflichtversicherungen). Neben den Angeboten, die Versicherungsmakler unterbreiten, bieten mittlerweile auch Versicherer eigene kombinierte Projektversicherungen am Markt an.

Bei größeren Bau- und/oder Montageprojekten in Regionen, in denen große Risiken durch Naturgefahren bestehen, begrenzen die Versicherer die Höchstentschädigungen und fordern höhere Selbstbehalte für diese versicherten Gefahren. Zudem werden von den Versicherern detailliertere Risikoinformationen sowie die Geodaten der Risiken gefordert, um den Überblick über sämtliche in einer Region versicherten Risiken und die zur Verfügung gestellte Kapazität zu behalten.

Unternehmen müssen zunehmend hohe Anforderungen an die rechtskonforme Gestaltung von Versicherungsschutz für Montage- und Bauleistungsrisiken außerhalb der EU erfüllen. Bei den Versicherern und Maklern erfordert dies einen erhöhten zeitlichen Aufwand für die Beratung und Versicherung derartiger Risiken.


Spezialmarkt: Erneuerbare Energien (Renewable Energy)

Der Markt der Erneuerbaren Energien ist aufgrund von geänderten Einspeise­vergütungs­systemen im Umbruch. Bislang gab es festgeschriebene Einspeisevergütungen. Die Höhe der Vergütung richtete sich nach dem Datum der Inbetriebnahme und nach den für die jeweilige Technikart gesetzlich festgeschriebenen Vergütungssätzen.

Diese Regelungen wurden jetzt abgelöst. Die Einspeisevergütung wird fortan in Ausschreibungsrunden ermittelt. Betreiber von Anlagen können an Ausschreibungen teilnehmen, um eine Förderung zu erhalten. Bei diesen Ausschreibungen hat sich ergeben, dass die Anbieter von Erneuerbaren Energien deutlich geringere Förderungen vom Staat für ihre Stromproduktion im Bieterprozess fordern, als vorher durch Vergütungssätze erzielt wurden. Einige Angebote wurden sogar ohne Förderungswunsch oberhalb der Marktpreise für Strom abgegeben.

Die geringeren Einnahmen für die produzierten Strommengen begründen zwangsläufig einen erhöhten Druck auf die Erzeugungs- und laufenden Betriebskosten der unterschiedlichen Energieerzeugungsanlagen. Dies umfasst auch den Bereich der Versicherungskosten.

Es ist zu erwarten, dass durch das neue Ausschreibungssystem nur diejenigen Unternehmen Energieerzeugungsanlagen wirtschaftlich bauen und betreiben können, die ihre Kostenstruktur deutlich optimiert haben.

Aufgrund relativ geringer Schadenbelastung im Bereich der Technischen Versicherungen sind die Preise auf niedrigem Niveau stabil. Kunden mit einem großen Bestand an Anlagen aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien bietet der Markt sogar deutliche Preisreduzierungsmöglichkeiten.

Der Versicherungsmarkt im Bereich der Erneuerbaren Energien ist recht statisch; in den vergangenen Jahren gab es nur wenige neu in den Markt eingestiegene Unternehmen. Die angebotenen Versicherungskapazitäten sind mehr als ausreichend.

In den einzelnen Geschäftsfeldern sind folgende Auffälligkeiten zu erkennen:

Windenergie Onshore

Aufgrund der noch aus dem alten Einspeise­vergütungs­system zugeteilten Genehmigungen (Erteilung vor dem 31.12.2016) ist in den Jahren 2017 und 2018 noch mit einem erhöhten Zubau von Windenergieanlagen in Deutschland zu rechnen.

Ab 2019 werden nur noch Anlagen gebaut, die Genehmigungen über das Ausschreibungssystem erhalten haben. Somit wird ab diesem Zeitpunkt ein deutlicher Rückgang an Projekten aufgrund der reglementierten Zuteilungsmenge erwartet.

Erschwerend kommt hinzu, dass für viele alte Windenergieanlagen die staatlich zugesicherte Einspeisevergütung nach 20 Jahren Nutzung entfällt. Derzeit wird erwartet, dass ein Großteil dieser Anlagen nicht wirtschaftlich betrieben werden kann und somit außer Betrieb genommen wird. In nachfolgender Übersicht ist dargestellt, welche Anlagen im Zeitraum 1997 bis 2001 errichtet wurden, deren staatlich zugesicherten Erlöse nach Ablauf von 20 Jahren entfallen.

Jahr der Inbetrieb­nahme Entfall der Einspeise­vergütung Anzahl der Wind­energie­anlagen Gesamtleistung der Wind­energie­anlagen
199720178532.088 Megawatt
199820181.0102.877 Megawatt
199920191.6764.435 Megawatt
200020201.4956.097 Megawatt
200120212.0798.750 Megawatt

Quelle: Bundesverband Windenergie (BWE), Auszug aus Zeitreihen zu Kennzahlen der Windenergie

Die vorgenannten Punkte führen dazu, dass sich das Geschäftsvolumen im Bereich der Onshore-Windenergie in den nächsten Jahren reduzieren wird. Dies führt zu weiterem Wettbewerb und Preisdruck im Versicherungsmarkt, da Versicherer versuchen werden, ihre Einnahmen zu erhalten.Doch die Preise sind bereits sehr niedrig. Weitere signifikante Nachlässe sind kaum zu erwarten. Daher ist die Versicherungswirtschaft gefordert, die derzeit bestehenden Versicherungsprodukte so umzugestalten, dass die Betriebskosten der Anlagenbetreiber positiv beeinflusst werden. Erste Lösungen dafür sind bereits auf dem Markt erhältlich.

Windenergie Offshore

Die Ausschreibungen und Mengensteuerung von Offshore-Windparks haben deutlich günstigere Ergebnisse gebracht als erwartet. Einige Windparkbetreiber haben sogar Angebote ohne Förderungswunsch unterbreitet. Die zugeteilten Genehmigungen konzentrieren sich auf wenige Akteure.

Der Offshore-Markt ist sowohl auf Kunden- und Investoren- als auch auf Versicherungsseite als international einzustufen. Die Eindeckung der Risiken erfolgt nach Prüfung der verschiedenen Märkte über den deutschen oder den englischen Versicherungsmarkt.

Die Versicherungspreise sind aufgrund deutlich zugenommener Summen, die die Versicherer für Deckungsschutz zur Verfügung stellen, gesunken – obwohl die rasante Entwicklung der Technologien erhebliche Risiken für Schäden birgt.

Die bestehenden Netzanschlusssysteme sind schadenanfällig. Dies gilt besonders für den Einsatz von Seekabeln, mit denen der Strom der Offshore-Windparks auf das Festland übertragen wird. Daher ist ungewiss, ob die Versicherung von Rückwirkungsschäden, die durch Schäden an der Netzanbindung ausgelöst werden, für die Windparkbetreiber künftig teurer wird – oder ob die Absicherung zu verschlechterten Versicherungsbedingungen erfolgt.

Biogas

Die aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen haben den Bau von Biogasanlagen unattraktiv gemacht. Es werden nur noch wenige Anlagen errichtet. Laut Bundesnetzagentur waren es im vergangenen Jahr rund 200 Anlagen mit einer Gesamtleistung von circa 18 Megawatt – überwiegend Anlagen mit einer Leistung, die geringer als 75 Kilowatt ist.

Aufgrund des sehr eingeschränkten Ausbaupotenzials werden sich auch die Versicherungskonditionen nicht ändern. Neue Entwicklungen sind derzeit nicht im Markt erkennbar.

Biogasanlagen, die bereits hohe Schadenkosten verursacht haben, werden von den Versicherern zunehmend kritisch gesehen. Einige Versicherer setzen vor einer Deckungsschutzzusage eine Besichtigung der Anlage voraus, um Anlagenzustand und Wartungskonzepte einschätzen zu können.

Fotovoltaik

Im Bereich der Fotovoltaik ist das Preisniveau im Vergleich zu vorangegangenen Jahren auf niedrigem Niveau stabil. Signifikante Preisreduzierungen können – nach Prüfung der aktuellen Wiederbeschaffungskosten versicherter Anlagen – im Einzelfall durch Anpassung der Versicherungssumme erzielt werden.

Bei Abschluss der Versicherung einer Fotovoltaik-Anlage achten die Versicherer sehr auf Risiken durch besondere Naturgefahren. Vor einer Deckungsschutzzusage wird geprüft, ob eine erhöhte Gefahr durch Überschwemmungen, Stürme oder Hagelschäden vorliegt, auf die mit Ausschlüssen, Auflagen oder mit erhöhten Selbstbehalten je Schadenfall reagiert wird.

Bei der Absicherung von Anlagen in Südeuropa fordern die Versicherer von den Betreibern oft besondere Maßnahmen zum Diebstahlschutz – oder sie schränken den Deckungsschutz im Fall von Diebstählen ein.

Geothermie

In jüngster Vergangenheit wurden vom Versicherungsmarkt vereinzelt wieder Deckungssummen für das Fündigkeitsrisiko bereitgestellt, dem Risiko bei der Erschließung eines geothermischen Reservoirs. Vom Erfolg dieser vereinzelten Projekte wird es abhängen, ob eine Wiederbelebung der Versicherung von Geothermierisiken erfolgen wird.

Für die im Betrieb befindlichen Anlagen sind die Versicherungskonditionen stabil, wobei weiterhin die Dauerfestigkeit der Tiefpumpen im Betrieb ein erhebliches Risiko darstellt.

Speichertechnologien

Ein spannendes Entwicklungsfeld bei der Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien ist der Markt für Speichertechnologien zur Grundlastsicherung. Die Grundlast ist die Belastung eines Stromnetzes, die während eines Tages nicht unterschritten wird. Derzeit ist noch nicht zu erkennen, welche Technologie sich hier durchsetzen wird. In diesem Bereich kann die Versicherungswirtschaft einen Beitrag leisten, indem sie Rahmenbedingungen schafft, die optimale Voraussetzungen für weitere Entwicklungen bieten.

Netzinfrastrukturen

Der Ausbau der Stromnetze onshore und offshore wird eine große Herausforderung. Aufgrund der erheblichen Investitionsvolumen dieser Projekte sind diese für die Versicherungswirtschaft sehr interessant. Der Versicherungsmarkt bietet derzeit ausreichende Kapazitäten zur Absicherung der Risiken aus Erstellung und Betrieb, wobei Deckungen für die Betriebsphase nur selektiv in Anspruch genommen werden.

Die bereits im Bereich Windenergie Offshore dargestellten Auffälligkeiten an Netzanschlusssystemen (besonders Seekabel) werden von den Versicherern der Netzbetreiber als sehr kritisch angesehen. Hier wirkt erschwerend, dass neben den Risiken aus Sachschäden auch die Risiken aus Mehrkosten auf Grundlage gesetzlicher Schadenersatzverpflichtungen gegenüber angeschlossenen Windparks im Schadenfall zum Tragen kommen können (soweit diese versichert wurden). Es ist zu erwarten, dass sich die Versicherungsbedingungen und die angebotenen Versicherungssummen für diese Risiken verschlechtern werden.

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