Terror­versicherung

National und international ist im vergangenen Jahr die Zahl der Terroranschläge gestiegen. Eine Vielzahl der Taten wurde von Terroristen des sogenannten Islamischen Staates (IS) verübt, während der Einfluss dieser Organisation in einem ihrer wichtigsten Gebiete im Irak von vereinten Streitkräften zurückgedrängt wurde. In Deutschland gab es im vergangenen Jahr 17 als Terror definierte Attacken. Die bekannteste war am 19. Dezember der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche. Aus diesem Jahr wird vielen Deutschen die Schließung des Einkaufszentrums am Limbecker Platz in Essen aufgrund einer Bombendrohung im Gedächtnis bleiben. Auch die Messerattacke eines Islamisten in einem Hamburger Supermarkt, bei der ein Mensch getötet und mehrere verletzt wurden, bleibt in trauriger Erinnerung. Die gestiegene Bedrohungslage hat dazu geführt, dass Unternehmen aller Branchen und Größen sich verstärkt gegen Terrorgefahren absichern.

Marktsituation

Die Zahl der Terroranschläge ist im vergangenen Jahr weltweit um 14 Prozent auf 4.151 (2015: 3.633) gestiegen. In den westlichen Ländern wurden im Jahr 2016 96 Anschläge verübt. Im Jahr 2015 waren es 35. Das entspricht einem Anstieg von 174 Prozent.

Besonders viele Anschläge gab es von 2016 bis April 2017 im Süden Afrikas und im Süden von Asien (92 und 94). Im Fokus standen vor allem die Öl- und Gasgesellschaften. Insgesamt 41 Prozent aller Terroranschläge wurden auf solche Unternehmen verübt.1

Vor allem durch den IS und durch Al Kaida nimmt die Bedrohung zu. Die Zahl islamistischer Gefährder lag im Juli dieses Jahres in Deutschland bei rund 690. Im März waren es laut Statista noch 602. Vermehrt kehren radikale Islamisten aus dem Irak und aus anderen Gebieten, in denen sie zurückgeschlagen wurden, in ihre Heimatländer zurück, wo sie die Gefährdungslage verschärfen.

Aufgrund der unterschiedlichen und kaum vorherzusehenden Taktiken und Tötungsabsichten der Terroristen sind immer mehr Orte potenzielle Terrorziele.

Nach den Gewalttaten von Linksextremisten im Verlauf des G-20-Gipfels in diesem Juli in Hamburg ist die Bedrohung aus dieser Richtung verstärkt in den Fokus der deutschen Öffentlichkeit gelangt. Die Versicherungswirtschaft hat darauf mit einer Ausweitung ihres Angebots reagiert.

Auch bietet ein Versicherer über die Terrorversicherung hinaus Versicherungsschutz für Sach- und Ertragsausfallschäden nach Amokläufen und Angriffen von bewaffneten Angreifern an.

Besonders jetzt – wenige Wochen vor der Bundestagswahl – dürften die deutschen Behörden in Alarmbereitschaft sein. Sowohl islamistische als auch links- und rechtsradikale Terroristen könnten das Umfeld für ihre Zwecke missbrauchen.

Zahl der Terroranschläge auf Unternehmen seit 2016 nach Regionen
Nordafrika
12
Nordamerika
14
Eurasien
26
Asien-Pazifik
34
Mittlerer Osten
47
Lateinamerika
62
Südliches
Afrika
92
Südasien
94

Quelle: Terrorism Tracker

Ausblick

Auf dem Londoner Markt sind die Preise für Terrorversicherungen für viele Unternehmensbranchen niedrig. Die in Deutschland agierenden Versicherer unterziehen die Risiken hingegen verstärkt einer genauen Prüfung und selektieren. Vor allem in deutschen Großstädten wie Berlin als Hauptstadt, Hamburg, München und Frankfurt als Finanzdienstleistungsstandort wird ein besonderes Augenmerk darauf gelegt, dass die zu versichernden Unternehmen mit einem guten Risikomanagementkonzept in Vorleistung gehen. Auch mögliche Folgekosten eines Anschlags werden vor Erteilung einer Zusage für Versicherungsschutz analysiert.

Anstieg der Zahl der Terroranschläge um:
14%
im Vergleich zu 2015
Unternehmen in deutschen Großstädten müssen mit gutem Risikomanagement in Vorleistung gehen.

In Ländern wie der Türkei stellen die Versicherer den Unternehmen nur geringe Versicherungssummen zur Verfügung, was zu Engpässen führt.

Dies gilt besonders, wenn es sich um Risiken handelt, die in der Nähe wichtiger Infrastruktur und großer Plätze liegen – zum Beispiel Flughäfen und Sehenswürdigkeiten.

Ebenfalls knapp werden kann das Angebot der Versicherer in Ländern wie Luxemburg, wo sich auf kleinem Raum viele Unternehmen aus der Finanzwirtschaft tummeln.

Neben der reinen Terror- und Sabotagedeckung wird von den Unternehmen vermehrt eine Deckung nachgefragt, mit der auch politische Risiken versichert sind. Gerade für international tätige Firmen ist dies im Hinblick auf die nicht abzuschätzenden Entwicklungen in einigen Ländern sehr interessant.

Markttrends

Aufgrund der aktuell angespannten politischen Lage in Deutschland, gerade auch nach dem G-20-Gipfel in Hamburg, haben jüngst einige Versicherer ihre bereitgestellten Versicherungssummen für Terror- und Kriegsrisiken um bis zu 50 Prozent erhöht. Die Erhöhung der Kapazitäten folgt dem steigenden Bedarf der Unternehmenskunden an Sicherheit und umfassendem Deckungsschutz für das gesamte Gefahrenspektrum.

Ein Versicherer hat in diesem Jahr Erweiterungen zu seiner Basisdeckung auf den Markt gebracht. Die Unternehmenskunden haben mit diesen Deckungserweiterungen unter anderem die Möglichkeit, eine Betriebsschließung aufgrund einer Terrordrohung zu versichern.

Auch Unternehmen, die sich keinem unmittelbaren Gefahrenpotenzial ausgesetzt fühlen, können im Rahmen der aus der Sachversicherung bekannten „Rückwirkungsschäden“ von einem Terroranschlag betroffen sein: wenn einer ihrer Zulieferer zum Terrorziel wird – mit Auswirkungen auf den eigenen Produktionsablauf (Nichtlieferung eines wichtigen Bauteils). Hierfür bieten Versicherer ebenfalls Schutz im Rahmen der Terrorversicherung an.

1 Terrorism Tracker – ein Kooperationsprojekt von The Risk Advisory Group und Aon

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