Vertrauens­schaden­versicherung

„So etwas kann mir nicht passieren.“ Das ist die häufigste Reaktion von Unbeteiligten, wenn sie hören, dass ein Fremder sich als Manager eines Unternehmens ausgegeben und einen Firmenmitarbeiter dazu bewogen hat, einen Millionenbetrag auf ein ausländisches Konto zu überweisen. Das Geld ist für das Unternehmen verloren – ein enormer Vertrauensschaden. Und das passiert fast täglich. Denn die Betrüger werden immer raffinierter. Die Vertrauensschadenversicherung (VSV) wurde für solche Fälle in den vergangenen Jahren kontinuierlich verbessert. Da die Schäden in vielen Betrugsfällen jedoch sehr stark gestiegen sind, ziehen sich erste Versicherer vom Markt zurück.

Marktsituation

Unternehmen werden immer häufiger Opfer von Betrügern. Infolgedessen ist auch die Nachfrage nach Vertrauensschadenversicherungen gestiegen. Circa 25 Prozent der Firmen haben eine VSV abgeschlossen. Das sind etwas mehr als im Vorjahr (20 Prozent). Jedoch hat die VSV mit derartigen Abschlusszahlen nach wie vor eine geringe Marktdurchdringung im Vergleich zu anderen Versicherungsarten. Rund 185 Millionen Euro haben deutsche Unternehmen im vergangenen Jahr für den Versicherungsschutz gezahlt (Vorjahr: 145 Millionen Euro). Die Schadenquoten bei den deutschen VS-Versicherern steigen seit einigen Jahren. Drei Betrugsmethoden haben sich als besonders verbreitet herauskristallisiert:

Fake President Fraud 2013 bis 2016 …

… nach Fällen

… nach Schäden

Quelle: Bundeskriminalamt, Wirtschaftskriminalität – Bundeslagebild 2016

Fake President Fraud –
Betrug durch Vorspiegelung einer falschen Identität

Wie oben beschrieben gibt sich der Täter bei dieser Betrugsmasche als hochrangiger Manager des Unternehmens aus und bewegt per E-Mail oder Fax einen Mitarbeiter des Unternehmens dazu, eine dringende Überweisung auszuführen. Dem Mitarbeiter wird dabei vorgespiegelt, dass es sich um eine höchst geheime und vertrauliche Angelegenheit handelt, von der strategische Weichenstellungen im Unternehmen abhängen. Die Betroffenen fühlen sich aufgrund des besonderen Vertrauens des hochrangigen Managers geschmeichelt. Anderseits stehen sie aufgrund der angeblichen Wichtigkeit der Transaktion erheblich unter Druck. Sie führen die Überweisung daher meist zügig aus. Sehr häufig erfolgen die Geldtransfers auf Konten in Asien und Osteuropa. Fliegt der Betrug auf, sind die Konten dort meist leer geräumt oder eine Rückholung des Geldes ist aufgrund des ausländischen Rechtssystems kaum möglich. Opfer wurde im vergangenen Jahr ein Unternehmen aus Süddeutschland. 40 Millionen Euro hat die Firma auf ausländische Konten überwiesen. Dann fiel der Betrug auf und musste per Ad-hoc-Mitteilung öffentlich gemacht werden. Ein Einbruch des Aktienkurses und ein Reputationsschaden waren die Folgen. Noch härter traf es ein österreichisches Unternehmen. Schadenhöhe des Fake-President-Falls: 50 Millionen Euro.

Payment Diversion Fraud –
Betrug durch Umleitung von Zahlungsströmen

In diesen Fällen geben sich die Betrüger als Geschäftspartner oder Lieferanten des Unternehmens aus und erreichen durch gefälschte Mitteilungen, dass die Bezahlung für Waren oder erbrachte Dienstleistungen auf abweichende Konten erfolgt. Die Umsetzung dieser Form des Betruges wird durch eine gefälschte Mitteilung an das Unternehmen ermöglicht, die beinhaltet, dass sich die bisher vereinbarten Bankverbindungen geändert haben und der Zahlungsverkehr nun über die neue Bankverbindung abgewickelt werden soll.

Fake Identity Fraud –
Betrug durch Nutzung einer fremden Identität

Bei dieser Betrugsmethode geben sich die Täter als Firmenkunde des Unternehmens aus und ordern schriftlich Waren. Mit plausiblen Erklärungen wird dann die Lieferung dieser Waren an eine von der normalen Firmenadresse abweichende Adresse verlangt. Da die Identität einer tatsächlich existierenden Firma genutzt wird, schöpfen die Betrugsopfer keinen Verdacht. Oft fliegt der Betrug erst auf, wenn Zahlungsverzug eintritt und die tatsächlich existierende Firma gemahnt wird. Wird dann die Lieferadresse durch die Polizei überprüft, werden die Geschäftsräume verlassen vorgefunden. Die Ware ist längst verschoben worden.

Circa
25%
der Firmen haben eine VSV abgeschlossen.
Die VSV ersetzt keine Cyber-Versicherung, die Cyber-Versicherung ersetzt keine VSV.

Ausblick

Besonders die vielen öffentlich gewordenen Fake-President-Fälle und die hohen Schäden, die diese verursacht haben, haben die Verantwortlichen in den Unternehmen aufgeschreckt. Auch die Angst vor einem Reputationsverlust ist in den Firmen groß. Das führt dazu, dass die Unternehmen höhere Versicherungssummen bei den VS-Versicherern abschließen. Allerdings beginnen die ersten Versicherer damit, Fake-President-Fälle aus den Versicherungsbedingungen auszuschließen – besonders Anbieter, die bereits hohe Schadenzahlungen leisten mussten.

Problematisch sind Betrugsfälle, die per E-Mail angebahnt werden oder bei denen zuvor ein Eingriff in die EDV erfolgt. Hier verwischt häufig die Abgrenzung zur Cyber-Versicherung. Grundsätzlich gilt: Die VSV ersetzt keine Cyber-Versicherung, die Cyber-Versicherung ersetzt keine VSV. Nur beide Produkte zusammen bieten den Unternehmen umfassenden Schutz.

Eine positive Entwicklung ist im Präventionsbereich zu beobachten: In immer mehr Firmen werden die Mitarbeiter geschult, um Betrugsversuche frühzeitig zu erkennen und Betrügereien zu verhindern.

Markttrends

Die Betrüger haben ihre kriminellen Machenschaften professionalisiert. Früher waren häufig Einzeltäter am Werk. Heute sind es organisierte Banden. Die Taten werden immer besser vorbereitet. Zielgerichtet werden Unternehmensmitarbeiter lange ausgespäht – bis die Falle zuschnappt. Die Schäden werden dadurch höher.

Und auf Unternehmensseite nimmt der Wunsch nach höheren Absicherungen zu. Auch Firmen, die bereits eine VSV-Police abgeschlossen haben, werden gut beraten sein, diese mit höheren Versicherungssummen an die neue Bedrohungslage anzupassen. Ein Trend bei den Unternehmen ist, dass sie sowohl VSV als auch Cyber-Versicherungen abschließen, um über umfassenden Versicherungsschutz zu verfügen.

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