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„Digitalisierung schafft neue Deckungslücken“

Cyber-Versicherungen bieten keinen Deckungsschutz, wenn Fehler in der produzierten Software bei Abnehmern zu Vermögensschäden führen. Immer mehr Unternehmen sind durch die anhaltende Digitalisierung von diesen Risiken betroffen. Rainer Breeck, Experte für Haftpflichtrisiken bei Aon Risk Solutions, erläutert im Interview die Hintergründe und nennt das passende Gegenmittel.

Die Digitalisierung führt branchenübergreifend zu massiven Veränderungen. Welche Folgen hat dies für die Haftungssituation der Unternehmen?

Rainer Breeck: Im Zuge der Digitalisierung verlassen viele Unternehmen ihre angestammten Geschäftsgebiete. So werden beispielsweise aus Maschinenbauern, Kfz-Zulieferern und Logistikern zusehends Softwareentwickler. Die mit diesen Veränderungen einhergehenden neuen Risiken sind durch den bestehenden klassischen Versicherungsschutz nicht ausreichend abgesichert. Folglich ist es ratsam, bestehende Haftpflichtlösungen kritisch zu hinterfragen.

Nehmen wir als Beispiel die Kfz-Zulieferer. Wie stellen sich die Veränderungen konkret dar?

Aufgrund der fortschreitenden Automatisierung des Fahrens streben viele Komponenten-Hersteller eine vollends elektronisch gesteuerte Produktion ihrer Dienstleistungen an. Statt nach Bremsen, Airbags oder Hydraulik fragen die Kunden nach Softwarelösungen. Deren Umsatzanteile erreichen teils bereits 50 Prozent des Gesamtumsatzes. Entsprechend erhöht sich das Risiko für die Unternehmen, dass Kunden durch Softwarefehler Personen-, Sach- oder Vermögensschäden entstehen.

Empfehlen Sie daher den Abschluss einer Cyber-Versicherung?

Nein, nicht aus diesem Grund. Cyber-Versicherungen sind ein wichtiger Baustein, um die betrieblichen Folgen von Internet-Attacken und Datenkorrumpierungen zu begrenzen. Kein Versicherungsschutz besteht hingegen, wenn die selbst hergestellte Software nicht einwandfrei funktioniert und hieraus Schadenersatzansprüche Dritter resultieren. Dies wäre zum Beispiel der Fall, wenn eine gelieferte Software zu einer Produktionsstörung und Betriebsunterbrechung beim Kunden führt, der hierdurch Umsatzverluste und Gewinneinbußen erleidet.

Wie lassen sich diese neuen Deckungslücken tatsächlich schließen?

Den erforderlichen Deckungsschutz bietet eine Tec-E&O-Versicherung. Mit dieser neueren Form einer Vermögensschaden-Haftpflicht-Versicherung lassen sich insbesondere vertragliche Haftungen abdecken, die zwischen Unternehmen und deren Abnehmern getroffen werden. Gerade in der Automobilbranche ist es verstärkt zu beobachten, dass Fahrzeughersteller vertragliche Haftungen auf ihre Zulieferbetriebe übertragen.

Was bedeutet das für den Kfz-Zulieferer?

Unabhängig von einem eigenen Verschulden haftet der Zulieferer für den Ersatz von Vermögensschäden, die auf Fehler der gelieferten Software zurückzuführen sind. Diese vertragliche Haftung ist standardmäßig Gegenstand der meisten Einkaufslieferbedingungen. Daher steigt das Interesse der Unternehmen an einem solchen Versicherungsschutz spürbar an.

Welche Folgen kann es für Unternehmen haben, wenn diese Haftungsrisiken ungedeckt bleiben?

Die Absicherung dieser Risiken ist für die Bilanzsicherung unerlässlich. Werden die mit der Digitalisierung größer werdenden Deckungslücken nicht geschlossen, läuft das Unternehmen Gefahr, dass nicht versicherte Ansprüche auf den Ersatz von Vermögensschäden voll auf die eigene Bilanz durchschlagen. Das finanzielle Ausmaß kann immens sein, wenn der Softwarefehler beispielsweise die Produktion des Kunden lahmlegt.

Sie möchten mehr über das Thema Haftungsrisiken erfahren? Dann freuen wir uns über Ihre Nachricht an rainer.breeck@aon.de 

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