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„Politische Wahlen können Ausfallrisiken erhöhen“

Achtung, Wahlen! Politische Stimmenabgaben im Ausland können die Geschäftspläne dort engagierter Unternehmen massiv durchkreuzen. Silja-Leena Stawikowski, Expertin für politische und Spezialrisiken bei Aon, beschreibt im Interview die unterschiedlichen Gefahren – und wie Unternehmen gegensteuern können.

Unter welchen Bedingungen können politische Wahlen im Ausland für dort engagierte Unternehmen ein Risiko darstellen?

Silja-Leena Stawikowski: Entscheidend ist, wie stabil beziehungsweise instabil die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in dem jeweiligen Land oder der Region sind. Kürzlich fanden beispielsweise Präsidentschaftswahlen in Kenia statt. Präsident Uhuru Kenyatta wurde dabei klar in seinem Amt bestätigt. Der Oppositionsführer, Raila Odinga, wiederholte dennoch seinen Vorwurf des massiven Wahlbetrugs. In der Folge kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit Todesfällen. Das Wahlergebnis wurde später von Kenias Supreme Court für ungültig erklärt.

Welche Gefahren ergeben sich hieraus für die Unternehmen?

Bei inneren Unruhen besteht die Gefahr, dass Niederlassungen oder dort ansässige Partnerbetriebe stark beschädigt werden. Geschäftspläne können schon deshalb gefährdet sein, weil die Beschäftigten aus Angst vor Gewalt ihrer Arbeitsstätte fernbleiben. Spitzt sich die Lage zu, müssen Mitarbeiter evakuiert werden. Im Ergebnis erhöhen sich die betrieblichen Ausfallrisiken spürbar.

Entgegengesetzt ist die Lage vermutlich im wirtschaftlich aufstrebenden Ruanda, wo Präsident Paul Kagame zum dritten Mal wiedergewählt wurde, oder?

Nein, die Risiken stellen sich nur anders dar. Nach den ethnischen Exzessen vor mehr als zwanzig Jahren hat sich das Land zu einem attraktiven Investitionsstandort entwickelt. Dieser Prozess hat aber seinen Preis: Kagame führt den Staat autoritär. Menschenrechte werden verletzt. Nach einer Verfassungsänderung strebt der Präsident an, das Land bis zum Jahr 2034 regieren zu wollen. Es ist fraglich, ob ausländische Kapitalgeber, wie der Internationale Währungsfonds, die Staatsführung weiterhin unterstützen und Darlehen gewähren werden.

Welche Folgen hätte ein Darlehensstopp für die Unternehmen vor Ort?

Das Land würde dann über keine Auslandsdevisen für Transaktionen mit ausländischen Staaten verfügen. Für Unternehmen wird es dadurch schwierig, ihre Exportgeschäfte abzuwickeln oder Kapital an die Muttergesellschaft abzuführen. Außerdem besteht bei autoritären Führungen das Risiko politischer Willkür.

Blicken wir in die Europäische Union, zum Beispiel nach Italien. Dort muss das Parlament bis zum 23. Mai 2018 gewählt werden. Müssen Unternehmen hier auch mit Ausfallrisiken rechnen?

Ja, einerseits gibt es eine große Unsicherheit, ob eine stabile Regierung entstehen wird und welche Koalitionen sich gerade mit Blick auf die Euro-Kritiker bilden werden. Gleichzeitig ist es fraglich, ob die Probleme in der Flüchtlings- und Bankenkrise dauerhaft gelöst werden können. Unternehmen, die dort engagiert sind, sollten daher jetzt prüfen, ob sie sich ausreichend gegen diese politischen Risiken abgesichert haben.

Was heißt das konkret?

Sobald Wahlen im Ausland Engagements von Unternehmen betreffen, ist es wichtig die hieraus resultierenden Risiken zu erkennen und zu bewerten. Es geht um Fragen wie: Ist der Geschäftsplan betroffen? Wie hoch sind die Investitionen? Wie groß wären mögliche Verlustrisiken für den Mutterkonzern? Anschließend können wir diese Risiken als Fachmakler bei Versicherern eindecken. Bezahlbare Lösungen lassen sich aber oftmals nur umsetzen, wenn Unternehmen vorausschauend handeln und hier frühzeitig aktiv werden.

Sie möchten mehr über das Thema politische Risiken erfahren? Dann freuen wir uns über Ihre Nachricht an silja-leena.stawikowski@aon-credit.de 

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