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Fünf Fragen an ...
Henry Prigge | Welchen Mehrwert bringt die Übertragung einer Direktzusage auf einen Pensionsfonds?

Zum Ende des Jahres 2018 hat Aon die Zulassung zum Geschäftsbetrieb für seinen überbetrieblichen Nachschuss-Pensionsfonds, die UnitedPensions Deutschland AG, erhalten. In der aktuellen Ausgabe „5 Fragen an …“ erklärt Henry Prigge, Vorstandsvorsitzender des Pensionsfonds, den Mehrwert einer Übertragung bestehender Pensionsverpflichtungen auf einen externen Pensionsfonds, wie die UnitedPensions Deutschland AG, für das aus der Versorgungszusage verpflichtete Unternehmen.
 

Warum hat Aon einen Pensionsfonds gegründet?

Prigge: Wir beobachten seit geraumer Zeit, dass Unternehmen in Deutschland verstärkt dazu übergehen, ihre Pensionsverpflichtungen ganz oder teilweise mit versorgungsspezifischem Vermögen zu bedecken, also separiertes und für die Erfüllung der Versorgungszusagen reserviertes Vermögen (Deckungsvermögen) zu schaffen. Hierbei gewinnt die Dotierung mittels einer Treuhandlösung (Contractual Trust Arrangement – kurz CTA) bzw. eines Pensionsfonds an Bedeutung. Nach einer im Jahr 2019 von Aon durchgeführten Studie zum Funding von Versorgungsverpflichtungen, an der 89 Unternehmen teilgenommen haben, hält dieser Trend ungebrochen an. Mit der Gründung des Aon Pensionsfonds können wir noch umfassender verschiedene Lösungen zur betrieblichen Altersversorgung aus einer Hand bieten.
 
Sowohl das Funding über einen CTA als auch über einen Pensionsfonds bietet den Vorteil, dass die auf das jeweilige Unternehmen entfallenden zweckgebundenen Vermögenswerte als Plan Assets im Sinne internationaler Rechnungslegungsvorschriften (z.B. IFRS oder US-GAAP) gelten. Die Pensionsverpflichtungen können daher bilanziell mit diesen Plan Assets verrechnet werden. In der Bilanz wird lediglich der Saldo aus den Verpflichtungen und den zur Bedeckung vorhandenen Assets gezeigt, so dass die Bilanz verkürzt wird. Dies hat positive Auswirkungen auf diverse Bilanzkennzahlen und vermeidet die Wahrnehmung der typisch deutschen „Book Reserves“ als „Unfunded Liabilities“ im internationalen Kontext. „Unfunded Liabilities“ können gerade in Verbindung mit M&A-Bestrebungen zu Verzögerungen und Schwierigkeiten führen. Daneben ergeben sich auch positive Effekte auf die Gewinn- und Verlustrechnung (P&L) nach IFRS oder US GAAP. Dem Zinsaufwand (Interest Cost) der Verpflichtungen stehen die (erwarteten) Erträge aus dem zweckgebundenen Vermögen (Return on Plan Assets) gegenüber, so dass sich der Pensionsaufwand insgesamt dauerhaft vermindert.

Welche Vorteile bietet ein Pensionsfonds gegenüber einen CTA?

Prigge: Gegenüber einem CTA bietet der Pensionsfonds unter anderem den Vorteil, dass Investmenterträge bei geeigneter Ausgestaltung der Kapitalanlage im Ergebnis vollumfänglich steuerfrei sind. Die Investmenterträge im CTA sind dagegen grundsätzlich steuerpflichtige Einnahmen des Unternehmens. Der Umfang der Besteuerung hängt hier von den zugrunde liegenden Investments und der Art der Investition (Direktanlage, Fonds etc.) ab.
 
Ein weiterer Vorteil besteht in der Reduktion der Beiträge zur gesetzlichen Insolvenzsicherung. Gegenüber einer Direktzusage – egal ob mit oder ohne CTA – vermindert sich der Beitrag an den Pensions-Sicherungs-Vereins aG (PSV) um 80 %. Der PSV hat den PSV-Beitragssatz für 2019 auf 3,1 Promille festgelegt (2018: 2,1 Promille). Dieser Beitragssatz ist der höchste seit dem Allzeithoch des Jahres 2009 von 14,2 Promille. Bei einer steuerlichen Pensionsrückstellung in Höhe von 100 Mio. EUR beträgt der PSV-Beitrag damit 310 Tsd. EUR für eine Direktzusage. Durch eine Übertragung auf einen Pensionsfonds ergäbe sich dann allein für 2019 eine Einsparung von 248 Tsd. EUR. Die Reduktion des PSV-Beitrages wirkt ebenfalls in den nächsten Jahren.
 
Auch für Unternehmen mit einem bereits bestehenden CTA kann die Einbindung eines Pensionsfonds interessant sein. Auf diese Weise lassen sich die genannten Vorteile eines Pensionsfonds mit der Flexibilität hinsichtlich des Funding-Levels und Funding-Zeitpunkts eines CTA kombinieren.

Macht eine Übertragung auf einen Pensionsfonds bei der derzeitigen Zinstalfahrt Sinn?

Prigge: Der weitere Zinsverfall im Jahr 2019 bedeutet für Unternehmen mit Direktzusagen einen Anstieg der Pensionsverpflichtungen – bestands- und zusageabhängig – von bis zu 30 % in den internationalen Konzernbilanzen, was eine erhebliche Belastung für das Eigenkapital darstellt.
 
Die deutsche Handelsbilanz trifft der Zinsverfall mit Verzögerung, aber voll ergebniswirksam. Die über den Pensionsfonds abgewickelten Pensionszusagen sind in der HGB-Bilanz – anders als Direktzusagen – nicht mehr notwendigerweise zu zeigen. Hier greift das Passivierungswahlrecht für mittelbare Verpflichtungen. Ergebniswirksame Belastungen, die sich in den letzten Jahren durch die sukzessive Verminderung des maßgeblichen Rechnungszinses ergeben haben und sich in der Zukunft weiter ergeben werden, entfallen dann. Die Übertragung auf einen Pensionsfonds stellt somit gerade für den Mittelstand eine attraktive Option dar. Hierfür bietet unser Aon Pensionsfonds die passende Lösung.

Wie sieht es mit dem administrativen Aufwand für ein Unternehmen nach Übertragung auf einen Pensionsfonds aus?

Prigge: Mit der Übertragung auf einen Pensionsfonds liegt die Verantwortung für die Administration der übertragenen Verpflichtungen beim Pensionsfonds als dem externen Versorgungsträger. Dies befreit das Unternehmen von der Betreuung der Versorgungsanwärter und -empfänger, der Abwicklung der Rentenzahlungen und dem Erfordernis, bAV-spezifisches Know-how vorrätig zu halten. Mit der Übertragung der Verpflichtungen geht zudem die Inanspruchnahme der Expertise des Pensionsfonds in Sachen professionelles Kapitalanlage/-management und Risikomanagement einher. Felder, die viele (mittelständige) Unternehmen selbst nicht abdecken können bzw. wollen. Durch eine Übertragung von Pensionsverpflichtungen auf einen Pensionsfonds kann ein Unternehmen sich insoweit (wieder) auf sein Kerngeschäft konzentrieren.

Warum sind nicht-versicherungsförmige Lösungen attraktiver als versicherungsförmige Lösungen?

Prigge: Bei unserer UnitedPensions Deutschland AG handelt es sich um einen sog. Nachschuss-Pensionsfonds, der auf seine Leistungen keine versicherungsförmigen Garantien gewährt. Diese Art des Pensionsfonds hat den Vorteil, dass gegenüber der versicherungsförmigen Lösung der vom Unternehmen zu zahlende Einlösungsbeitrag signifikant niedriger ausfällt. In konkreten Fällen ergab sich gegenüber einer versicherungsförmigen Lösung eine Einsparung in Höhe von 40 % bis 50 %. Dem steht zwar zumindest auf dem Papier der Nachteil einer Nachschusspflicht des Unternehmens im Falle einer etwaigen Unterdeckung gegenüber. Die hochprofessionelle Kapitalanlage und das etablierte anspruchsvolle Risikomanagementsystem unseres Pensionsfonds zielen jedoch darauf ab, mögliche Nachschussrisiken für die Unternehmen zu minimieren.
 
Anders als bei einer versicherungsförmigen Lösung kann zudem die Risikobereitschaft des jeweiligen Unternehmens im Rahmen der vereinbarten Kapitalanlagestrategie berücksichtigt werden. So lassen sich die Höhe der Erstdotierung wie auch das Risiko möglicher Nachschusszahlungen gezielt managen und steuern. Ferner lässt sich durch weitere Stellschrauben, wie zum Beispiel der Einbezug zukünftiger Rentenanpassungen in den Einlösungsbetrag, das zu erwartende Nachschussrisiko positiv beeinflussen. Der Nachschuss-Pensionsfonds bietet insofern eine deutlich höhere Flexibilität und Individualität.
 
Als Fazit: Ein Nachschuss-Pensionsfonds ist somit eine geeignete Lösung für Unternehmen, die an einem liquiditätsschonenden externen Funding ihrer Pensionsverpflichtungen interessiert sind. Es stellt zudem die einzige steuerlich sinnvolle Möglichkeit einer Externalisierung bestehender Direktzusagen dar.

  

Drei Fragen an |  Experten geben Anworten

In der aktuellen Ausgabe zum Thema Pensionsfonds  erklärt unser Experte Henry Prigge, welche Vorteile es für ein Unternehmen hat, seine Pensionsverpflichtungen auf einen externen Pensionsfonds zu übertragen.

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