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Gesetzliche Insolvenzsicherung: Auswirkungen von Covid-19 und Handlungsoptionen


Der Pensions-Sicherungs-Verein VVaG (PSVaG) geht nach einer Mitgliederinfo aus dem Frühsommer davon aus, dass der Beitragssatz für 2020 deutlich über dem letztjährigen Beitragssatz (3,1 Promille) und dem langjährigen gewichteten durchschnittlichen Beitragssatz (2,5 Promille) liegen wird. Das ist eine direkte Folge der Covid-19-Pandemie und der damit einhergehenden globalen Rezession und Wirtschaftskrise, durch die das Insolvenzgeschehen aktuell deutlich an Dynamik gewinnt. Nicht zuletzt wegen der zunächst bis Ende September befristeten und nun kürzlich nur für bestimmte Fallkonstellationen (Überschuldung) bis zum Jahresende verlängerten Aussetzung der Insolvenzantragspflicht ist nicht auszuschließen, dass sich die Zahl der Insolvenzen in den nächsten Wochen und Monaten deutlich erhöhen wird.

Nach erster Einschätzung des PSVaG könnte der Beitragssatz für 2020 auf 4 bis 5 Promille steigen. Das genaue Ausmaß hängt maßgeblich von der Schadenentwicklung beim PSVaG ab, sprich der Anzahl der eingetretenen Insolvenzen, die einen Sicherungsfall auslösen, und der Höhe der Einzelschäden. Je nach Umfang könnte die Beitragserhöhung auch über die erste Schätzung hinaus gehen. Zum voraussichtlichen Beitragssatz für das kommende Jahr kann der PSVaG zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Aussagen machen, ein ggf. sogar merklich höherer Beitragssatz als im langjährigen Mittel ist aber keinesfalls auszuschließen.

Was können Unternehmen aktuell tun oder wie können sie sich vorbereiten?
 
Reduktion der Beitragsbemessungsgrundlage für die Zukunft möglich
 
Unternehmen, die ihren Arbeitnehmern eine insolvenzsicherungspflichtige betriebliche Altersversorgung (z. B. Direktzusage) anbieten, müssen die vom PSVaG festgesetzten Beiträge hinnehmen. Sie haben jedoch die Möglichkeit, Maßnahmen zu ergreifen, die zu einer Reduktion der Beitragsbemessungsgrundlage für den PSVaG führen. Solche Maßnahmen können von der Abfindung oder vereinbarten Reduktion von Versorgungsleistungen bis hin zur Übertragung der Versorgungsverpflichtungen auf einen Pensionsfonds reichen.
 
Eines ist dabei zu beachten: Wer als Unternehmen eine Absenkung schon für 2021 in Erwägung zieht, muss die entsprechenden Maßnahmen bereits im Jahr 2020 zum Abschluss bringen. Für 2020 ist eine Reduktion der Beitragsbemessungsgrundlage hingegen ausgeschlossen.
 
Auswirkungen in die Finanz- und Liquiditätsplanungen einbeziehen
 
Bereits heute ist es hochwahrscheinlich, dass es in 2020 und 2021 zu einer spürbaren Anhebung der PSVaG-Beiträge kommen wird. Das Ausmaß kann momentan jedoch niemand verlässlich abschätzen. Entscheidenden Einfluss haben dabei auch etwaige Sondermaßnahmen des PSVaG, um die Erhöhung für die Mitgliedsunternehmen in einem tragbaren Rahmen zu halten. So wurde z. B. während der letzten großen Wirtschaftskrise im Jahr 2009 das Beitragsvolumen aufgrund des festgesetzten Beitragssatzes (14,2 Promille) auf 5 Jahre verteilt, um die Liquidität der Unternehmen zu schonen.
 
Für Unternehmen mit hohen Versorgungsverpflichtungen, die der Insolvenzsicherungspflicht beim PSVaG unterliegen, kann es im Hinblick auf die Finanz- und Liquiditätsplanung für 2020 und die Folgejahre von großer Bedeutung sein, welche Zahlungen möglicherweise an den PSVaG zu leisten sind.
 
Auf Wunsch kann Aon die individuellen Auswirkungen für Ihre bestehenden Versorgungswerke prüfen und die Höhe der voraussichtlichen Beitragszahlungen an den PSVaG auf Basis unterschiedlicher Szenarien ermitteln. Wenn Sie bereits für das vergangene Jahr versicherungsmathematische Gutachten von Aon erhalten haben, ist die Prüfung und Ermittlung kurzfristig möglich.
 
Für weitere Informationen zum Thema PSVaG-Beitragssatz und Handlungsoptionen können Sie Dr. André Geilenkothen (andre.geilenkothen@aon.com) kontaktieren.

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