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Attraktive Möglichkeiten der Geringverdienerförderung
nach § 100 EStG 

 

Die neuen Möglichkeiten, die das Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) den Unternehmen seit 1. Januar 2018 eröffnet, sind bisher bei Weitem noch nicht ausgeschöpft worden. Hierzu gehört auch die Geringverdienerförderung. Das Förderpotenzial, das der § 100 Einkommensteuergesetz (EStG) bietet, haben nach Informationen aus der Versicherungswirtschaft bislang nur wenige Arbeitgeber genutzt. Dabei kann dieser Förderweg für alle Beteiligten durchaus sehr attraktiv sein.

Mit dem § 100 EStG hat der Gesetzgeber eine weitere Möglichkeit geschaffen, lohnsteuer- und sozialversicherungsfreie Zuwendungen für die betriebliche Altersversorgung (bAV) der Arbeitnehmer zu leisten. Diese Förderung in Anspruch nehmen zu können, setzt u. a. voraus, dass

  • es sich um eine durch den Arbeitgeber finanzierte, neu eingerichtete Versorgung in einem versicherungsförmigen Durchführungsweg (Direktversicherung, Pensionskasse oder Pensionsfonds) handelt,
  • der Beitragsaufwand im Jahr zwischen 240,00 EUR und 480,00 EUR liegt und
  • der Arbeitnehmer einen laufenden monatlichen Bruttolohn von höchstens 2.200 EUR im ersten Dienstverhältnis hat.

Sind sämtliche Fördervoraussetzungen erfüllt, beteiligt sich der Staat mit 30 Prozent an dem Versorgungsbeitrag. Hierbei kommt ein schlankes Verfahren zur Anwendung: Der Arbeitgeber verrechnet die ihm zustehenden Förderbeträge einfach im Rahmen der Lohnsteuer-Anmeldung mit der abzuführenden Lohnsteuer. Zusätzlich profitiert er davon, dass die von ihm getragenen Beitragsteile Betriebsausgaben darstellen und somit seinen Nettoaufwand noch weiter reduzieren. Förderquoten über 50 Prozent sind dadurch keine Seltenheit.

Bislang auf Arbeitgeberseite wenig Interesse feststellbar

Der Gesetzgeber hatte sich mit dem BRSG das Ziel gesetzt, die Altersversorgung auch von Menschen mit niedrigem Erwerbseinkommen zu verbessern. Die Einführung eines Förderbetrags für Geringverdiener sollte dabei die Bereitschaft der Arbeitgeber steigern, diese Mitarbeitergruppe bei dem Aufbau einer Altersversorgung zu unterstützen. Die Informationen aus der Versicherungswirtschaft lassen aber darauf schließen, dass bislang nur wenige Unternehmen diesen Förderweg auch nutzen. Gründe dafür könnten sein, dass viele Unternehmen ihre arbeitgeberfinanzierte bAV bereits anders organisiert haben oder eine Integration der Geringverdiener-Versorgung nicht ohne Weiteres möglich ist. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass an der Vermittlung förderfähiger Produkte nur ein geringes Interesse besteht, da diese nur eine über die Laufzeit verteilte Vergütung vorsehen dürfen und somit für einige Vermittler unattraktiv sind.

Wer fair beraten will, darf die Geringverdienerförderung nicht außen vorlassen

Zu einer umfassenden Beratung gehört es, die Förderung nach § 100 EStG auch bei bestehenden Versorgungswerken in Betracht zu ziehen – insbesondere dort, wo das betriebliche Gehaltsgefüge gute Rahmenbedingungen bietet. Gerade für Unternehmen, die viele Mitarbeiter mit einem Einkommen unter der Fördergrenze von 2.200 EUR monatlich beschäftigen, können sich erhebliche Einsparungen ergeben. Aber auch über andere Ansätze zur Nutzung der § 100-Förderung lohnt es sich nachzudenken, z. B. als Anreiz für die Mitarbeiter zur Eigenvorsorge durch Kombination mit einer Entgeltumwandlung oder zur Verbesserung der Versorgungssituation bei Invalidität oder Tod.

Gerne unterstützen wir Sie bei der Prüfung, ob und ggf. wie sich die Geringverdienerförderung in das Versorgungswerk Ihres Unternehmens integrieren lässt. Die Möglichkeiten, die der Gesetzgeber geschaffen hat, um Mitarbeiter mit geringem Einkommen vor Altersarmut zu bewahren, haben es verdient, mehr Beachtung zu finden. Hierzu wollen auch wir durch eine objektive Beratung unseren Beitrag leisten.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Stefan Hillen und Thomas Wiener.
 


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