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Drei Fragen an Dr. Rafael Krönung zur aktuellen Situation bei Pensionskassen


1. In der Öffentlichkeit wird aktuell häufiger über die finanzielle Schieflage von Pensionskassen diskutiert. Woran liegt das?

Dr. Krönung: Pensionskassen garantieren üblicherweise lebenslange Leistungen. Die Mittel, die aus heutiger Sicht zur Finanzierung dieser Leistungen benötigt werden, sind davon abhängig, welche zukünftigen Erträge in der Kapitalanlage erzielt werden können. Der Rechnungszins spiegelt wider, welche (Mindest-)Ertragserwartung die Pensionskasse einkalkuliert und gilt grundsätzlich für die gesamte Vertragslaufzeit. Die aktuellen Probleme gehen in den meisten Fällen auf die langanhaltende und perspektivisch auch noch länger andauernde Niedrigzinsphase zurück. Für Pensionskassen wird es immer schwieriger an den Kapitalmärkten die benötigten Erträge mit akzeptablem Risiko zu erzielen, um die bei Abschluss der Verträge festgelegte Garantie zu erfüllen. Wenn nun die Ertragserwartungen für die Zukunft angepasst werden müssen, weil die höheren Rechnungszinssätze nicht mehr erzielbar sind, führt dies dazu, dass eine Pensionskasse aus heutiger Sicht deutlich mehr Mittel benötigt, um die zugesagten Leistungen dauerhaft erbringen zu können.

Dem zweiten oft genannten Effekt, der kontinuierlich zunehmenden Lebenserwartung, haben die meisten Pensionskassen bereits in der Vergangenheit sukzessive Rechnung getragen. Der Effekt der Langlebigkeit ist zwar nicht unerheblich, im Vergleich zum Niedrigzinseffekt aber markant nachgeordnet.

2. Wie können bzw. sollten Arbeitgeber auf die Diskussion reagieren?

Dr. Krönung: Arbeitgeber, die den Durchführungsweg der Pensionskasse nutzen, sollten auf eine enge Kommunikation mit ihrer Kasse achten, um frühzeitig Erfordernisse etwaiger zusätzlicher Finanzierungsbeiträge erkennen und einplanen zu können. Zudem ist es angeraten, sich von kompetenter und unabhängiger Seite über die Rechte und Pflichten und die konkreten Abläufe informieren zu lassen, sollte es einmal zu einer Inanspruchnahme aus der Subsidiärhaftung des Arbeitgebers kommen. Die beschriebenen Maßnahmen dienen hauptsächlich zur Vorbereitung. In Panik verfallen muss niemand, denn die weit überwiegende Anzahl der Pensionskassen ist gemeinsam mit den jeweiligen Arbeitgebern aus heutiger Sicht nachhaltig gut aufgestellt, um auch länger anhaltende oder dauerhafte Niedrigzinsszenarien auszuhalten.

3. Welche Auswirkungen hätten Einschränkungen des Neugeschäfts oder mögliche Leistungskürzungen für laufende Verträge bei aktuellen Rentenbeziehern?

Dr. Krönung: Die Einstellung des Neugeschäfts hat für die Versicherten zunächst keine Auswirkung. Im Detail kommt es auf die konkreten Kassenregelungen an, aber i.d.R. wird die Kasse die bestehenden Versicherungen bis zu deren vollständigen Erfüllung weiterführen. Für die bestehenden Versicherungsverhältnisse können also regelmäßig weiterhin Beiträge entrichtet werden, um zukünftige Leistungssteigerungen abzubilden. Für den Arbeitgeber bedeutet die Schließung der Kasse daher zunächst, dass er die betreffende Kasse für neue Mitarbeiter nicht mehr nutzen kann. Die Einstellung des Neugeschäfts kann die Pensionskasse selbst beschließen. Aufsichtsrechtlich wird eine Schließung für Neuzugänge üblicherweise dann erforderlich, wenn eine Pensionskasse nicht über ausreichendes Eigenkapital verfügt und ihr kein neues Eigenkapital zur Verfügung gestellt werden kann.

Wenn die vorhandenen Mittel nicht ausreichen, um die bestehenden Leistungsverpflichtungen sicher erfüllen zu können, sind die Rechnungsgrundlagen – vornehmlich der Rechnungszins – anzupassen, was zu einer Erhöhung der Reservierungserfordernisse führt. Damit die vorhandenen Finanzmittel trotzdem ausreichen, müssen dann ggf. Leistungen gesenkt werden. Dieser Mechanismus gilt für regulierte Pensionskassen. Vorstand und Verantwortlicher Aktuar müssen im Falle einer Leistungskürzung Umsetzungsvorschläge machen, die Aufsichtsbehörde diese für unbedenklich halten und die obersten Organe der Kasse, i.d.R. die Mitglieder- oder Vertreterversammlung, die Kürzungen beschließen. Die jeweiligen Arbeitgeber müssen für solche Leistungskürzungen einstehen. Der Teil, der dem Mitarbeiter ursprünglich zugesagten Leistung, der von der Leistungskürzung betroffen ist, ist aus Sicht des Arbeitnehmers bzw. Rentners nicht verloren. Gegebenenfalls erhält der Rentner neben der gekürzten Leistung durch die Pensionskasse eine weitere unmittelbare Zahlung durch den ehemaligen Arbeitgeber.

Weitere Informationen zum Thema Pensionskassen erhalten Sie bei Dr. Rafael Krönung (rafael.kroenung@aon.com)

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