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Übertragung von Pensionsverpflichtungen: Worin liegt der Mehrwert des Pensionsfonds?


Zum Ende des letzten Jahres hat Aon die Zulassung zum Geschäftsbetrieb für seinen überbetrieblichen Nachschuss-Pensionsfonds, die UnitedPensions Deutschland AG, erhalten. Worin genau besteht aber der Mehrwert für ein Unternehmen, seine bestehenden Pensionsverpflichtungen aus einer Direktzusage auf einen externen Pensionsfonds zu übertragen? Schließlich löst dieser Schritt womöglich einen erheblichen Liquiditätsabfluss aus. Zusätzlich besteht das Risiko, dass Schwankungen bei den Kapitalanlagen zu Nachzahlungen an den Pensionsfonds führen können.

Einer der meist genannten Vorteile besteht in der Reduktion der Beiträge zur gesetzlichen Insolvenzsicherung. Gegenüber einer Direktzusage vermindert sich der Beitrag an den Pensions-Sicherungs-Verein (PSVaG) um 80 Prozent. Bei einer steuerlichen Pensionsrückstellung in Höhe von 100 Mio. EUR führt dies – beim derzeitigen Beitragssatz von 2,1 ‰ – zu einer jährlichen Einsparung von 168 Tsd. EUR.

Wie bei einem Funding über ein Contractual Trust Arrangement (CTA) bietet auch der Pensionsfonds den Vorteil, dass die auf das Unternehmen entfallenden Assets des Pensionsfonds als Plan Assets im Sinne der IFRS oder gemäß US-GAAP gelten. Die Verpflichtungen können daher bilanziell mit diesen Plan Assets verrechnet werden. In der Bilanz wird lediglich der Saldo aus den Verpflichtungen und den zur Bedeckung vorhandenen Assets gezeigt, so dass die Bilanz verkürzt wird. Dies hat positive Auswirkungen auf diverse Bilanzkennzahlen und vermeidet die Wahrnehmung der typisch deutschen „book reserves“ als „unfunded liabilities“ im internationalen Kontext. „Unfunded liabilities“ können gerade in Verbindung mit M&A-Situationen zu Verzögerungen und Schwierigkeiten führen. Daneben ergeben sich auch positive Effekte auf die Gewinn- und Verlustrechnung. Den Interest Cost der Verpflichtungen stehen die (erwarteten) Erträge aus den Plan Assets gegenüber, so dass sich der Pensionsaufwand insgesamt dauerhaft vermindert.

In der deutschen Handelsbilanz greift das Passivierungswahlrecht für mittelbare Verpflichtungen. Die über den Pensionsfonds abgewickelten Pensionszusagen sind also in der HGB-Bilanz – anders als Direktzusagen – nicht mehr notwendigerweise zu zeigen. Belastungen, die sich in den letzten Jahren durch die sukzessive Verminderung des maßgeblichen Rechnungszinses ergeben haben und sich in der Zukunft weiter fortsetzen werden, entfallen somit.

Pensionsfonds vs. CTA

Gegenüber einem CTA bietet der Pensionsfonds zudem den bedeutenden Mehrwert, dass Investmenterträge bei geeigneter Ausgestaltung im Ergebnis vollumfänglich steuerfrei sind. Die Investmenterträge im CTA sind grundsätzlich steuerpflichtige Einnahmen des Unternehmens. Der Umfang der Besteuerung hängt von den zugrunde liegenden Investments und der Art der Investition (Direktanlage, Fonds etc.) ab.

Mit der Übertragung auf einen Pensionsfonds liegt die Verantwortung für die Administration der Verpflichtungen beim Pensionsfonds. Dies entlastet das Unternehmen von der Betreuung und Abwicklung der Versorgungsanwärter und Betriebsrentner. Versorgungsausgleiche und Rentenauszahlungen sind hiervon ebenfalls umfasst. Gleichzeitig ist mit der Übertragung die Inanspruchnahme einer hochprofessionellen Kapitalanlage sowie anspruchsvollster Risikomanagementsysteme verbunden, die viele Unternehmen selbst nicht gewährleisten könnten.

Gerade der letztgenannte Punkt hilft dabei, mögliche Nachschussrisiken für den Arbeitgeber zu minimieren. Diese Liquiditätsrisiken lassen sich durch die geschickte Kombination mit einem bestehenden CTA oder durch die Auswahl geeigneter Bestände für die Übertragung minimieren. Für weitere Details hierzu wenden Sie sich bitte an Ihren Ansprechpartner in unserem Hause oder an den unten angegebenen Verfasser.

Fazit

Ein Nachschuss-Pensionsfonds ist somit eine geeignete Lösung für Unternehmen, die an einem externen Funding ihrer Pensionsverpflichtungen interessiert sind, da es die einzige steuerlich sinnvolle Möglichkeit einer Externalisierung bestehender Direktzusagen darstellt. Im Vergleich zum versicherungsförmigen Pensionsfonds lassen sich die Chancen der Kapitalmärkte effizienter nutzen. Zudem fällt der erforderliche Einlösungsbeitrag zur Übertragung der Verpflichtungen signifikant niedriger aus. In konkreten Fällen ergab sich gegenüber einer versicherungsförmigen Lösung eine Einsparung in Höhe von 40 bis 50 Prozent. Auch für Unternehmen mit einem bereits bestehenden CTA kann die Einbindung eines Pensionsfonds interessant sein. Auf diese Weise lassen sich die oben genannten Vorteile eines Pensionsfonds mit der Flexibilität hinsichtlich des Funding-Levels und Funding-Zeitpunkts eines CTA kombinieren.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Henry Prigge
 

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