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Aktuelles Zinsumfeld


Die Zinssätze für die Bewertung von Versorgungsverpflichtungen nach internationalen Bilanzierungsgrundsätzen sowie – etwas abgeschwächt aufgrund der Durchschnittsbildung – auch nach HGB sind in 2019 stark eingebrochen, was zu erheblichen Mehrbelastungen für die bilanzierenden Unternehmen führt. 


Rechnungszinssatz nach IFRS (IAS 19) oder US-GAAP (ASC 715)

Bei der Bewertung von Versorgungsverpflichtungen nach IFRS oder US-GAAP ist in der Regel ein Marktzinssatz zugrunde zu legen, der sich aus den Renditen von hochwertigen Unternehmensanleihen vergleichbarer Laufzeit ableitet. Aon ermittelt monatlich auf Basis des Aon Eurozone Yield Curve Verfahrens eine Zins¬¬empfehlung für drei Musterbestände (reiner Anwärterbestand, reiner Rentnerbestand und Mischbestand aus Versorgungsanwärtern und Rentnern). Während sich die Zinssätze bis Ende 2018 seit gut 2 Jahren je nach Bestandsart zwischen 1,5 Prozent und 2,2 Prozent bewegten, sind die Renditen hochwertiger Unternehmens¬anleihen und damit auch die abgeleiteten Zinssätze bis August 2019 dramatisch eingebrochen. So lagen die errechneten Zinssätze zum 31. August 2019 auf einem historischen Tiefststand von bestandsabhängig 0,5 Prozent bis 0,9 Prozent. Zu diesem Zeitpunkt waren für AA-bewertete Unternehmensanleihen bis zur 10-jährigen Laufzeit negative Renditen festzustellen. Für Verpflichtungen mit kürzeren Laufzeiten (wie z.B. Altersteilzeit- oder u.U. auch Jubiläumsverpflichtungen) bedeutet dies, dass auch negative Abzinsungssätze für die Bewertung heranzuziehen sind. Denn eine untere Grenze (z. B. bei 0 Prozent) für den Rechnungszinssatz sehen die einschlägigen Regelungen des Bilanzierungsstandards nicht vor – vielmehr reflektiert der Abzinsungssatz den „Zeitwert des Geldes“, sodass auch negative Zinssätze anzuwenden sind. Dies wurde kürzlich auch durch eine Meldung des IDW bestätigt. 

Mittlerweile zeichnet sich eine leichte Entspannung der Zinssituation ab, zuletzt (Stand 30. November 2019) lag der für die o.g. Musterbestände ermittelte Zinssatz zwischen 0,8 Prozent und 1,2 Prozent. Sollte dieses Zinsniveau so bis zum Jahresende bestehen bleiben, so würde dies bedeuten, dass die Abzinsungssätze zum 31. Dezember 2019 um ca. 1 Prozentpunkt unter den Vorjahreswerten liegen würden. Dies könnte zu einem zinsbedingten Anstieg des Verpflichtungsumfangs (DBO bzw. PBO) um bis zu 30 Prozent führen (je nach Bestands- und Zusageart). Für Pensionsverpflichtungen werden die Zinsänderungseffekte nach IAS 19 als Remeasurements erfolgsneutral im Eigenkapital erfasst. Entsprechend würde sich aber auch der Pensionsaufwand (Current Service Cost) für das kommende Geschäftsjahr erhöhen. Bei den Zinskosten (Interest Cost) dürften sich aufgrund des dem höheren Zinsträger entgegenstehenden niedrigeren Zinssatzes auch Entlastungen zeigen. 

Rechnungszinssatz nach HGB

Für die handelsbilanzielle Bewertung von Pensionsverpflichtungen wird ein durchschnittlicher Marktzinssatz über die vergangenen 10 Jahre zugrunde gelegt. Die Bewertungsdifferenz zwischen der Anwendung des 10-jährigen und des 7-jährigen Durchschnittszinssatzes unterliegt der Ausschüttungssperre. Die Abzinsungssätze nach HGB werden jeweils zum Monatsende durch die Deutsche Bundesbank ermittelt und veröffentlicht. Unter Fortschreibung des aktuellen Zinsniveaus auch für die Zukunft führt Aon monatlich eine Prognose der handelsbilanziellen Abzinsungssätze durch. Nach dem Stand 30. November 2019 würde sich zum Jahresende bei 10-jähriger bzw. 7-jähriger Durchschnittsbildung ein Zinssatz von 2,71 Prozent bzw. 1,97 Prozent ergeben, das sind 50 bzw. 35 Basispunkte unter Vorjahresniveau. Die angegebenen Sätze gelten für eine Restlaufzeit von 15 Jahren, die üblicherweise für die Bewertung von Pensionsverpflichtungen zugrunde gelegt wird. Somit dürfte sich auch in der Handelsbilanz für das Geschäftsjahr 2019 für viele Unternehmen eine deutliche Belastung aus der Zinsminderung ergeben. 

Weitere Informationen erhalten Sie bei Christian Rasch und Björn Ricken.


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