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Eine weitere Rechnungszinsabsenkung in der Lebensversicherung wird immer wahrscheinlicher


Fast drei Jahre ist es her, dass der Höchstrechnungszins in der Lebensversicherung auf den historischen Tiefststand von 0,9 Prozent gefallen ist. Inzwischen verdichten sich die Anzeichen, dass es zu einer weiteren Senkung – spätestens zum 1. Januar 2021 – kommen wird.  Was bedeutet das für Unternehmen mit einer versicherungsförmigen betrieblichen Altersversorgung (bAV): Abwarten oder Handeln?
 
Angesichts des andauernden Niedrigzinsumfelds wäre eine Herabsetzung des Rechnungszinses nicht ver­wunderlich. Dennoch können Kunden mit laufenden Versicherungsverträgen beruhigt sein: Garantien, die die Lebensversicherer im Rahmen bestehender Verträge gegeben haben, sind von einer Rechnungszinsabsenkung nicht betroffen. Unternehmen und ihre Mitarbeiter mit laufenden Versicherungen müssen keine Eingriffe in erreichte Vertragsstände befürchten.
 
Zinssenkung trifft vor allem neue Leistungszusagen mit Versicherungsbezug
 
Auswirkungen ergeben sich für Neuverträge, die nach dem Stichtag für die Rechnungszinsänderung abgeschlossen werden. Betroffen sein können aber auch Vertrags­erhöhungen, die nicht bereits fest vereinbart sind oder für die sich der Versicherer in den Bedingungen die An­wendung aktueller Rechnungs­grundlagen vorbehalten hat.
 
Neu zu erteilende Versorgungszusagen, bei denen ein vorgegebenes Leistungsniveau über die Versicherung finanziert werden muss, werden sich bei einem niedrigeren Rechnungszins verteuern. Dies trifft insbesondere die Versorgungswerke, bei denen bislang an echten Leistungszusagen festgehalten wurde und noch kein Umstieg auf eine beitragsorientierte Versorgung erfolgt ist. In Anbetracht der zu erwartenden Zinssenkung sollte über eine Umstellung nachgedacht werden.
 
Auch beitragsorientierte Versorgungen können betroffen sein
 
Viele Unternehmen haben den Schritt zu beitragsorientierten Leistungszusagen schon gemacht und könnten sich mit Blick auf die Dotierung ihrer bAV entspannt zurücklehnen. Aber auch für sie kann Handlungsbedarf entstehen, denn die Rechnungszinsabsenkung könnte weitere Versicherer dazu veranlassen, klassische Tarife mit Garantieverzinsung vom Markt zu nehmen.
 
Ebenso sind bei den neueren, kapitalmarktorientierten Produkten Anpassungen zu erwarten, da es für die Lebensversicherer schwieriger werden wird, einen garantierten Beitragserhalt darzustellen. Die Folge werden Kapitalgarantien unterhalb der Beitragssumme und längere Mindestlaufzeiten sein. Somit kann sich auch bei Versorgungswerken, die bereits auf neue Produkte umgestellt wurden, ein Anpassungsbedarf ergeben.
  
Versicherungsförmige Auslagerungen werden deutlich teurer werden
 
Die Folgen einer Rechnungszinsabsenkung werden die Unternehmen am stärksten zu spüren bekommen, die eine versicherungsförmige Auslagerung von bestehenden Versorgungsverpflichtungen planen. Neben den Arbeitgebern, die bei der Übertragung von Anwartschaften oder Renten trotz des hohen Dotierungsaufwands auf eine versicherungsförmige Lösung Wert legen, sind insbesondere die Unternehmen betroffen, die in die Liquidation gehen wollen. Für sie ist die Versicherungslösung alternativlos, da nur diese eine schuldbefreiende Übertragung der bestehenden Versorgungsverpflichtungen zulässt und damit den Weg für die endgültige Auflösung frei machen kann.
 
Unsere Empfehlung: Wer auslagern will, sollte zügig handeln
 
Firmen, die sich mit dem Gedanken einer versicherungsförmigen Auslagerung tragen, sind gut beraten, ein solches Vorhaben zügig zu prüfen und in Angriff zu nehmen. Wer einen Abschluss vor dem Zinsänderungstermin verpasst, muss mit einem spürbaren Aufschlag auf den Dotierungsbetrag rechnen, da ein niedriger Rechnungszins nicht nur in der Ansparphase wirkt, sondern auch auf die Kalkulation der im Vergleich dazu häufig noch viel länger andauernden Rentenphase erheblichen Einfluss nimmt.
 
Eine Rechnungszinsabsenkung kann aber auch sonst weitreichende Folgen für Versicherungslösungen in der bAV haben. Auch wenn deren Termin und der Umfang der Reduktion noch nicht feststehen, empfiehlt es sich, schon jetzt zu prüfen, in welcher Weise die betrieblichen Versorgungsregelungen hiervon betroffen sein werden und die gegebenenfalls erforderlichen Maßnahmen vorzubereiten.
 
Es wird Bewegungen im Lebensversicherungsmarkt geben, auf die es zu reagieren gilt. Hierbei unterstützen wir Sie gerne.
 
Weitere Informationen erhalten Sie bei Stefan Hillen und Thomas Wiener.
 

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