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Neue Haftungslücken erkennen und schließen

„Neue Haftungslücken erkennen und schließen“

Die Digitalisierung verändert die Wirtschaft und schafft neue Haftungslücken. „Unternehmen sollten die relevanten Betriebsbereiche identifizieren, prüfen und bewerten“, sagt Rainer Breeck. Der Experte für Haftpflichtversicherungen bei Aon beschreibt im Interview konkrete Defizite und Lösungswege.

Unternehmen bieten Leistungen und Produkte zusehends auch softwaregestützt an. Hat dies Auswirkungen auf die vertragliche Haftungssituation der Gesellschaften?

Rainer Breeck: Ja, das zeigt sich zum Beispiel bei der neuen Datenschutz-Grundverordnung, kurz DSGVO. Verletzen Unternehmen die weitreichenden Sorgfaltsplichten beim Umgang mit personenbezogenen Daten, müssen sie mit drastischen Bußgeldern rechnen. Der deutsche Gesetzgeber hat zusätzlich mit dem Artikel 82 eine neue bedeutsame Grundlage geschaffen, die es Geschädigten erleichtern soll, ihre Ansprüche dem Grunde und der Höhe nach ersetzt zu bekommen.

Wie ist die Situation, wenn Maschinen, zum Beispiel über Sensoren, direkt miteinander kommunizieren?

Wirksame Willenserklärungen per Gesetz können nach geltendem Recht nur geschäftsfähige Menschen oder juristische Personen abgeben. Laufen Bestell-, Fertigungs- und Liefervorgänge völlig digitalisiert zwischen Maschinen ab, stellen sich zwei zentrale Fragen: Wie wird der Verursacher von Schäden festgestellt? Wer haftet rechtsverbindlich für die bei Dritten entstandenen Schäden? Unternehmen fordern, dass sich alle an der Wertschöpfung beteiligten Gesellschaften gesamthaft gegen Ansprüche Dritter absichern sollten. Auch das Potenzial sogenannter echter Vermögensschäden wird deutlich zunehmen.

Wie sollten sich Unternehmen angesichts dieser Entwicklungen aufstellen?

Für Unternehmen empfiehlt es sich, intern und extern die Bereiche zu identifizieren, die von der Digitalisierung berührt werden. Externe Risikoberater sollten im Rahmen eines Risk Assessment zusammen mit den intern verantwortlichen Personen, zum Beispiel aus dem Legal- und IT-Bereich, die neu entstandenen Risiko- und Haftungssituationen prüfen und bewerten. Im Ergebnis kann der Einkauf neuer und erweiterter Versicherungslösungen angezeigt sein.

In welchen anderen Bereichen bestehen noch Haftungsdefizite?

Das ist bei der Absicherung von extremen Wettereignissen häufig der Fall. Müssen beispielsweise umweltrelevante Anlagen auf Anordnung einer Behörde infolge massiver Überschwemmungen abgeschaltet werden, kann dies zu Produktionsausfällen führen. Die Betriebsunterbrechungsversicherung bietet dann gewöhnlich keinen Schutz. Ähnlich ist die Lage bei Umwelthaftpflichtversicherungen, wenn Dritte durch ein solches Schadenereignis zu Schaden kommen.

Wie gelingt es Unternehmen, diese neuen Deckungslücken zu schließen?

Ein Großteil der neuen Risiken im Umweltbereich kann durch umfassende Umweltversicherungsprodukte, die internationalen Benchmarks genügen, adäquat abgesichert werden. Ein Beispiel ist die Zusammenführung der bisher getrennten Umwelthaftpflicht- und Umweltschadensversicherung zu einer Produktlösung. Damit entfällt die Trennung zwischen öffentlich-rechtlichen und zivilrechtlichen Ansprüchen. Außerdem bietet das Produkt auch einen größeren Deckungsumfang gerade im Hinblick auf die Absicherung von Betriebsunterbrechungsschäden aufgrund von Naturgefahren. Mit Blick auf die Digitalisierung gibt es vor allem zwei Handlungsfelder: die Absicherung echter Vermögensschäden und der gesamtschuldnerischen Haftung.

Sie möchten mehr über das Thema Haftungsrisiken erfahren? Dann freuen wir uns über Ihre Nachricht an rainer.breeck@aon.de 

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