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Bewertungsannahmen im Jahresabschluss 31.12.2020


Finanzielle Annahmen
 
Das Jahr 2020 war – mit Ausnahme eines kurzfristigen Ausreißers im März zu Beginn der Einschränkungen aufgrund der COVID-19-Pandemie – von weiter sinkenden Anleiherenditen im Euroraum geprägt. So lag das Zinsniveau Ende 2020 um rund 50 Basispunkte unter dem Vorjahresniveau. Für typische Pensionsbestände mit Rentenzusagen hatte Aon auf Basis des Aon-Eurozone-Yieldcurve-Verfahrens zum 31.12.2020 bestandsabhängig einen IFRS-/US-GAAP-Abzinsungssatz zwischen 0,5 % und 0,8 % ermittelt. Der niedrigere Zinssatz bezieht sich auf einen Rentnerbestand mit einer Duration von etwa 14 Jahren, der höhere Wert auf einen Anwärterbestand mit einer Duration von etwa 28 Jahren. Nach einer Auswertung der angesetzten Bewertungsannahmen bei ca. 100 Unternehmen lag der für Deutschland festgelegte Abzinsungssatz nach IFRS oder US-GAAP zum 31.12.2020 zwischen 0,3 % und 1,2 % (Mittelwert: 0,6 %). Die doch große Bandbreite ergibt sich aufgrund unterschiedlicher Zinsermittlungsverfahren sowie Unterschieden in Bestandsstruktur und Gestaltung der Pensionszusagen. Bei fast 75% der ausgewerteten Unternehmen lag der Zinssatz im engeren Intervall zwischen 0,5 % und 0,9 %. Das im Jahr 2020 gesunkene Zinsniveau führte bei den Unternehmen im Mittel zu einem zinsbedingten Anstieg der DBO um ca. 10 %, ein Effekt, der nach IFRS aufwandsneutral als Annahmenänderung im OCI erfasst wird. Ferner dürfte sich der Aufwand (Current Service Cost) für Anwartschaftssteigerungen in künftigen Jahren entsprechend erhöhen.
 
Für die handelsbilanzielle Bewertung von Pensionsverpflichtungen hat die Deutsche Bundesbank für die 15-jährige Restlaufzeit einen Abzinsungssatz von 2,30 % (10-jähriger Durchschnittszins) bzw. 1,60 % (7-jähriger Durchschnittszins) ermittelt, das sind jeweils rund 40 Basispunkte unter dem Vorjahresniveau. Im Gegensatz zur Bilanzierung nach IFRS wird der Zinsänderungseffekt nach HGB aufwandswirksam erfasst, was den Pensionsaufwand im Jahr 2020 für viele Unternehmen erneut deutlich erhöht haben dürfte. Ein Ende 2020 von BDA und IVS vorgeschlagenes Zinsmoratorium für die Handelsbilanz (d.h. ein Einfrieren des handelsbilanziellen Abzinsungssatzes bis Ende 2022) wurde durch den Gesetzgeber im Jahr 2020 leider nicht mehr umgesetzt. Auf Basis des derzeitigen Zinsniveaus (Stand Ende Februar 2021) würde sich zum 31.12.2021 ein Zinssatz von 1,87 % (10-jähriger Durchschnitt) bzw. 1,35 % (7-jähriger Durchschnitt) ergeben, wodurch sich auch in diesem Jahr hohe Belastungen im Aufwand für Altersversorgungsverpflichtungen ergeben können. Insofern sehen wir für den Gesetzgeber verstärkten Handlungsbedarf zur Entlastung der bilanzierenden Unternehmen, insbesondere mit Blick auf die besonderen Herausforderungen durch die andauernde COVID-Krise.
 
Während die Inflation im Jahr 2020 gemessen am Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamtes mit -0,2 % leicht negativ war, lag die Inflationserwartung (entsprechend einer Auswertung von Inflationsswaps in der Eurozone durch Aon) zum 31.12.2020 in etwa auf Vorjahresniveau. Die zum 31.12.2020 angesetzte Inflationsannahme lag bei etwa 80 Unternehmen zwischen 1,0 % und 1,9 % (Mittelwert: 1,5 %). Im Mittel lag die festgelegte Inflationsannahme damit um etwa 10 Basispunkte unter dem Vorjahresniveau. Bei der Festlegung des Gehaltstrends gab es bei ca. 70 ausgewerteten Unternehmen kaum Veränderungen zum Vorjahr. Hier lagen die angesetzten Trends zwischen 1,8 % und 3,5 % (Mittelwert: 2,54 %).
 
Demografische Annahmen
 
Neben finanziellen Bewertungsannahmen haben auch demografische Annahmen einen nicht unwesentlichen Einfluss auf die Bewertung von Versorgungsleistungen. Als Sterbetafeln werden in Deutschland häufig die Richttafeln 2018 G zur Bewertung herangezogen, die auf Daten der deutschen gesetzlichen Rentenversicherung basieren. Einige Unternehmen nehmen Modifikationen des Tafelwerks vor (ca. 10 von 150 ausgewerteten Unternehmen). Dabei werden häufig die Wahrscheinlichkeiten für Erwerbsminderungsleistungen abgesenkt, da diese in den Heubeck-Tafeln für bestimmte Branchen tendenziell zu hoch ausfallen. Auch im Hinblick auf die Langlebigkeitsentwicklung bieten sich Modifikationen des Tafelwerks an, die für Unternehmen ebenfalls entlastend wirken können. So lässt sich beobachten, dass (unabhängig von der COVID-19 Pandemie, siehe unten) der Trend zur Verlängerung der Lebenserwartung seit etwa 10 Jahren nachweislich abgenommen hat, was in den Heubeck-Tafeln nur unzureichend berücksichtigt ist (vgl. hierzu auch „Fünf Fragen an… Dr. Christian Rasch  |  Modellierung und bilanzielle Auswirkung von Langlebigkeitstrends“).
 
Im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie tritt häufig die Frage auf, ob die Sterbetafeln auch im Hinblick auf eine in diesem Zusammenhang auftretende Übersterblichkeit angepasst werden müssten. Nach vorläufigen Auswertungen des Statistischen Bundesamtes sind im Jahr 2020 im Schnitt ca. 5 % mehr Todesfälle aufgetreten als in den Jahren 2016 bis 2019. Das Robert-Koch-Institut geht für das Jahr 2020 von ca. 40.000 COVID-19 Todesfällen aus (das sind etwa 4 % der gesamten Todesfälle). Insbesondere zum Jahresende 2020 war eine hohe Übersterblichkeit zu verzeichnen. So lag die Sterblichkeit Dezember 2020 um 31 % über dem Vorjahresdurchschnitt, ca. 21.000 Todesfälle waren dabei auf COVID-19 zurückzuführen. Im Januar 2021 war (offenbar aufgrund der Lockdown-Maßnahmen) wiederum ein deutlicher Rückgang der COVID-19 Todesfälle, sowie der Todesfälle insgesamt zu beobachten. Da Unternehmen mit Bilanzstichtag 31.12. die Dateninventur für die Bewertung von Versorgungsverpflichtungen i.d.R. spätestens Anfang November durchführen, dürfte sich die hohe COVID-19 bedingte Übersterblichkeit im Dezember vermutlich erst im Geschäftsjahr 2021 auswirken. Die Auswirkungen sind indes schwer abzuschätzen, da bei Todesfällen abhängig von den konkreten Versorgungszusagen oft Hinterbliebenenleistungen ausgelöst werden, sodass nicht grundsätzlich von dem Wegfall der Verpflichtung auszugehen ist.
 
Für Bewertungen zu künftigen Bilanzstichtagen ist aber nicht von einer nachhaltigen und langfristigen Veränderung der Lebenserwartung auszugehen, da mit einer Entspannung der COVID-19 Inzidenz spätestens ab Mitte 2021 zu rechnen ist (entsprechend der Entwicklung im Jahr 2020 und aufgrund der Verfügbarkeit von Impfstoffen). Eine COVID-19 bedingte Anpassung der Sterbetafeln ist u.E. also nicht notwendig (und aufgrund vieler Unwägbarkeiten u.U. auch gar nicht möglich). Demgegenüber können sich durch konkrete Personalmaßnahmen wie Kurzarbeit oder Stellenabbau bei einzelnen Unternehmen sehr wohl Auswirkungen auf die Verpflichtungsumfänge ergeben, die dann entsprechend der jeweiligen Bilanzierungsstandards zu erfassen sind.
 
Für weitere Informationen stehen Ihnen Björn Ricken (bjoern.ricken@aon.com) und Dr. Christian Rasch (christian.rasch@aon.com) zur Verfügung.
 
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