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Geht’s nicht einfacher? Das System der Betriebsrenten ist zu kompliziert!


Hochgerechnet gibt es alleine in den DAX-Unternehmen rund eine halbe Million Arbeit­nehmer, die keine eigenen Beiträge in die betriebliche Altersversorgung investieren, obwohl ihr Einkommen dafür ausreichen würde. Der Grund: Das Thema ist ihnen zu kompliziert. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie, die Aon im Sommer 2018 durchgeführt hat.

 
Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben offensichtlich keine Lust, sich mit dem Thema betriebliche Altersversorgung zu beschäftigen, um am Ende doch nicht zu verstehen, wie sie funktioniert. Über die Hälfte der jungen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gibt darüber hinaus an, zwar zu wissen, dass ihr Arbeitgeber eine Betriebsrente anbietet, aber keine Einzelheiten zu kennen.
 
Müssen wir nur besser und intensiver erklären, wie die Systeme funktionieren? Und welche Vorteile es hat, in eine Betriebsrente zu investieren? Schließlich ist der Wille da, Geld für die Altersversorgung zurückzulegen. 91 Prozent der Beschäftigten im Alter zwischen 18 und 29 Jahren sind bereit, auf Konsum zu verzichten und mindestens 500 Euro pro Jahr in die Altersversorgung zu stecken.
 
Reichen einfach mehr Informationen, um dieses Potenzial zu erschließen?
 
Auch darauf haben uns die Studienteilnehmer eine eindeutige Antwort gegeben. Gerade die Generation, die ansonsten alles vom Einkauf bis zum Bankgeschäft per Smartphone erledigt, will bei der Betriebsrente persönlich beraten werden. Knapp die Hälfte der Befragten in der Altersgruppe zwischen 18 und 39 Jahren sieht in diesem für beide Seiten aufwendigen Weg die beste Lösung.
 
All diese Ergebnisse deuten in eine Richtung: Das System der Betriebsrenten in Deutschland ist zu kompliziert. Kein Fachmann wird dieser Feststellung ernsthaft widersprechen wollen. Bisher hat noch jede Reform der Betriebsrente zu mehr Komplexität geführt. Schon die Begriffe sind nicht dazu angetan, Klarheit zu schaffen: Riestern, Gehaltsumwandlung, Nahles-Rente und so weiter. Dem deutschen Steuerrecht wird nachgesagt, das komplizierteste der Welt zu sein. Die Regelungen zur betrieblichen Altersversorgung liegen voll und ganz auf dieser Linie. Daran muss sich etwas ändern, wenn diese wichtige Säule der Alterssicherung nicht an Attraktivität verlieren soll.
 
Was ist zu tun, damit die bAV nicht an Attraktivität verliert?
 
Wer es sich einfach machen will, verweist auf den Gesetzgeber. Schließlich werden die Regelungen im Bundestag beschlossen. Die Politiker haben das große Ganze im Auge zu behalten und externe Fachleute bringen in das Verfahren ihre jeweiligen speziellen Aspekte ein. Was können Unternehmen und Berater denn dafür, dass hinterher etwas Kompliziertes dabei herauskommt?
 
Das hieße allerdings, sich mit dem bestehenden Zustand abzufinden und unter Umständen auf weitere Maßnahmen des Gesetzgebers zu warten. Gegen eine solche Haltung spricht allerdings, dass dann vor allem die jungen Leute dem System „Betriebsrente” den Rücken kehren werden. Im besten Fall werden sie anderweitig für das Alter vorsorgen, im schlechtesten das Thema einfach zu den Akten legen. Die Rentenlücke würde sich vergrößern. Das hört sich danach an, als sei das in erster Linie ein individuelles Problem derjenigen, die nicht ausreichend vorsorgen. In zweiter Linie ist es dann das des Staates, dessen Sozialsysteme die Unterversorgten auffangen müssen.
 
Das ist aber beileibe nicht so. Denn während Individuen und Staat erst in Zukunft Probleme bekommen, werden Unternehmen die Folgen dieser Haltung unmittelbar zu spüren bekommen. Betriebsrenten dienten immer schon dazu, qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten. Das ist heute wichtiger denn je, da der „War for Talents” allgegenwärtig ist. Mit Angeboten, die keiner versteht, Mitarbeiter gewinnen zu wollen, ist vergebene Liebesmüh.
 
 
Unternehmen und ihre Berater müssen umdenken.
 
Das Bestreben von Unternehmen und Beratern muss es sein, auf Basis der bestehenden gesetzlichen Regelungen einfache und verständliche Lösungen zu entwickeln. So selbstverständlich, wie sich das anhört, ist es bisher nicht. Vielmehr wird oft das Ziel verfolgt, auch noch das letzte Quäntchen an Steuervorteil herauszuholen und durch geschickte Konstruktionen die direkten Kosten auf das absolute Minimum zu senken. Diese Denkweise kostet dann sehr viel Vertrauen der Mitarbeiter, das jedes Unternehmen braucht.
 
Das können wir uns alle miteinander im globalen Wettbewerb nicht leisten. So schön es wäre, wenn der Gesetzgeber für einfache Regelungen sorgen würde, wir können darauf nicht warten. Wir als Berater müssen heute gemeinsam mit den Unternehmen handeln und daran arbeiten, in der betrieblichen Altersversorgung einfache und für die Arbeitnehmer verständliche Systeme zu entwickeln und einzuführen.
 
Sie wünschen weiterführende Informationen zu den Ergebnissen der Studie? Dann freuen wir uns über Ihre Nachricht an Viola Mueller-Thuns (viola.mueller-thuns@aon.com).

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