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Einführung eines Kapitalwahlrechts – eine Option auch für Pensionskassen?


Bei Betriebsrentenzusagen des Arbeitgebers wird seit längerem ein Trend zur Einführung eines Kapitalwahlrechts beobachtet. Die Vorteile liegen auf der Hand: Der Begünstigte erhält eine attraktive Wahlmöglichkeit, während der Arbeitgeber ggf. von einer einfacheren Verwaltung, reduzierten Risiken und einer Verbesserung von Bilanz- und Aufwandsgrößen profitieren kann.

Während Verwaltungs- und Risikoeffekte erst im Zeitablauf mit der Ausübung des Wahlrechts zu erwarten sind, können bilanzielle Vorteile insbesondere in der internationalen Rechnungslegung bereits mit Einführung der Option entstehen. Voraussetzung ist, dass die Höhe der angebotenen Kapitalabfindung geringer ist als die aufzulösende Rückstellung für die Rentenleistung und dass die Ausübung der Option in einem gewissen Umfang erwartet werden kann. 
 
Auch für Pensionskassen winken starke Vorteile
 
Grundsätzlich ist es auch Pensionskassen möglich, in ihren Tarifen eine Kapitaloption einzuführen. Davon können die Versorgungsberechtigten und die Arbeitgeberunternehmen in ähnlicher Weise wie bei unmittelbaren Versorgungszusagen profitieren. Zusätzlich können sich Vorteile auch für die Kasse selbst realisieren lassen. So können etwa künftige Nachfinanzierungsrisiken längerer Lebenserwartung reduziert werden. Verbesserungen sind auch bei der Risikotragfähigkeit sowie bei der Solvabilität möglich.
 
Unterschiedliche Interessen und Vorgaben müssen unter einen Hut gebracht werden
 
Bei der Einführung einer Kapitaloption für Pensionskassen sind im Vergleich mit einer Direktzusage einige Besonderheiten zu beachten. Der Gestaltungsspielraum wird zunächst dadurch beschränkt, dass die dauerhafte Erfüllbarkeit der Kassenleistungen gewährleistet bleiben muss. Die BaFin als Aufsichtsbehörde legt hier strenge Maßstäbe an, welche insbesondere für die bei regulierten Pensionskassen notwendige Genehmigung bedeutend sind. Neben den versicherungsrechtlichen Aspekten sind auch steuerrechtliche Fragen sowie ggf. unterschiedliche Interessenlagen der Arbeitgeberunternehmen in die Überlegungen einzubeziehen. So wird man sich etwa mit folgenden Themen typischerweise zu beschäftigen haben:
 
  • Höhe der Kapitalabfindung (nicht frei gestaltbar, sondern eng an den vorhandenen Deckungsmitteln zu orientieren)
  • Selektionseffekte (Auswirkung der Option auf die Zusammensetzung des verbleibenden Rentenbestandes hinsichtlich Lebenserwartung und ggf. Verheiratung)
  • Gefährdung von Steuervorteilen (§ 3 Nr. 63 EStG) und/oder Riesterförderung
  • Angemessenheit der biometrischen Rechnungsgrundlagen
  • Zusammenwirken mit den Versorgungssystemen und der Bilanzierungspraxis von Arbeitgeberunternehmen
Mit Blick auf die erzielbaren Vorteile kann sich eine nähere Untersuchung auch für Pensionskassen lohnen.
 
Weitere Informationen:
Detlef Coßmann, detlef.cossmann@aon.com
Dr. Ingo Budinger, ingo.budinger@aon.com

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