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Wegfall des Solidaritätszuschlags – eine gute Chance für die bAV


Nach 30 Jahren hat der Bundestag beschlossen, den Solidaritätszuschlag (Soli) ab 2021 schrittweise zurückzunehmen. Laut Bundesfinanzministerium (BMF) handelt es sich um „eine der größten Steuersenkungen unserer Geschichte“. Arbeitnehmer erfahren nun unerwartet eine Erhöhung des Nettogehaltes, die in der privaten Ausgabenplanung bisher keine Rolle spielte. Diese Ersparnis für den Aufbau einer zusätzlichen betrieblichen Altersversorgung (bAV) zu nutzen, bringt entscheidende Vorteile mit sich.

Ab diesem Jahr wird kein Solidaritätszuschlag mehr erhoben, wenn die zu zahlende Einkommensteuer unter 16.956 € bei Einzelveranlagung, bzw. 33.912 € bei Zusammenveranlagung liegt. Oberhalb dieser Grenze beginnt eine sogenannte Milderungszone. Innerhalb dieser wird nur ein ermäßigter Soli erhoben, dessen Höhe von dem zu versteuernden Einkommen abhängt. Nur noch Spitzenverdiener mit einem jährlich zu versteuernden Einkommen über 96.820 € für Alleinstehende und 193.641 € für Verheiratete haben den Soli auch zukünftig in der bisherigen Höhe zu entrichten.
 
Zeit für einen guten (bAV) Plan
 
Ein alleinstehender Arbeitnehmer mit einem zu versteuernden Einkommen von jährlich 36.000 € hat zukünftig eine Ersparnis von rund 384 € im Jahr und somit monatlich etwa 32 € mehr netto zur Verfügung. Entscheidet sich der Arbeitnehmer, diesen Betrag in die bAV – beispielsweise in eine Direktversicherung – einzubringen, so übersteigt der Beitrag, der tatsächlich in die Altersversorgung fließt, die eingesparten 32 € deutlich. Denn dieser Beitrag setzt sich aus dem erhöhten Nettobetrag (32 €), der eingesparten Einkommensteuer (16,25 €) sowie den eingesparten Sozialversicherungsbeiträgen (12,18 €) zusammen. Zusätzlich ist der Arbeitgeber spätestens ab dem Jahr 2022 verpflichtet, die Entgeltumwandlung des Arbeitnehmers in Höhe von 15 % des Umwandlungsbetrags (9,07 €) zu bezuschussen, soweit durch die Entgeltumwandlung Sozialversicherungsbeiträge eingespart werden.

Der tatsächliche Versicherungsbeitrag beträgt 69,50 €. Dennoch bleibt das Nettoeinkommen des vorsorgenden Arbeitnehmers, gegenüber seinem Nettoeinkommen vor Wegfall des Solis, unverändert.
 
bAV statt Soli: Win-win für Arbeitnehmer und Arbeitgeber
 
Das Beispiel macht deutlich: Es lohnt sich für Arbeitnehmer, die Ersparnis, die sie durch den Wegfall des Solis erfahren, für den Aufbau der eigenen Altersversorgung zu nutzen. Dies gilt umso mehr, da viele Arbeitnehmer keine ausreichende Eigenvorsorge für das Alter oder den Fall der Erwerbsminderung getroffen haben. Neben den Steuervorteilen und der Förderung durch den Arbeitgeber bietet gerade die Nutzung der betrieblichen Altersversorgung zahlreiche weitere Vorteile.

So haben Arbeitgeber in der Regel die Möglichkeit, ihren Arbeitnehmern im Rahmen eines Gruppenvertrages attraktive Sonderkonditionen gegenüber einem privaten Vertragsabschluss zu bieten. Neben reduzierten Kosten profitieren Arbeitnehmer z.B. von verbesserten Aufnahmevoraussetzungen. Insbesondere für die Absicherung von Berufsunfähigkeits- und Todesfallrisiken kann dies vorteilhaft sein, da durch vereinfachte Risiko- und Gesundheitsprüfungen häufig deutlich weniger umfangreiche Gesundheitsfragen beantwortet werden müssen – mitunter entfallen diese vollständig. Für Arbeitnehmer mit Vorerkrankungen ist dies ein besonderer Vorteil, da sie oftmals keine private Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen können. In der bAV können auch sie Zugang zu verbesserten Versorgungsleistungen erhalten und vor Beitragszuschlägen, Risikoausschlüssen oder gar Ablehnungen geschützt werden.

Aber auch für den Arbeitgeber ist es vorteilhaft, seinen Arbeitnehmern zu ermöglichen, eine durch Entgeltumwandlung finanzierte Vorsorge für ihr Alter oder den Fall der Erwerbsminderung zu treffen. Durch das Angebot einer attraktiven bAV kann der Arbeitgeber eine positive Botschaft vermitteln und eine erhöhte Mitarbeiterbindung erreichen.

Da die meisten Arbeitgeber bereits eine bAV anbieten, erhöht sich durch die Einbringung der Nettolohnersparnis in eine bestehende Altersversorgung für diese nicht einmal der administrative Aufwand. Den spätestens ab 2022 verpflichtenden Arbeitgeberzuschuss muss der Arbeitgeber lediglich gewähren, sofern er durch die Entgeltumwandlung des Mitarbeiters tatsächlich Sozialversicherungsbeiträge spart.

Natürlich kann der Arbeitgeber die Attraktivität der bAV durch weitere von ihm finanzierte Beitragszuschüsse erhöhen und damit die Arbeitnehmer aktiv bei der Altersvorsorge unterstützen. Durch eine geschickte Nutzung der Förderung gemäß § 100 EStG sind derartige Zuschüsse für den Arbeitgeber ggf. teilweise oder sogar vollständig kostenneutral möglich.
 
Weitere Informationen:
Nina Schwarze, nina.schwarze@aon.com
Roland Horbrügger, roland.horbruegger@aon.com

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