Cyber-Versicherung

Der Markt für die Absicherung von Cyber-Risiken entwickelt sich rasant. Ständig betreten neue Versicherer die Bühne. Andere ziehen sich zurück. Für Unternehmenskunden bedeutet das: Die Versicherungsbedingungen werden stetig verbessert. Gleichzeitig sind die Preise auf einem Tiefststand. Auf der anderen Seite sorgen Angriffswellen durch Schadprogramme wie WannaCry und Petya bei den Unternehmen für Millionenschäden, die teilweise bereits versichert sind. Für die Versicherer heißt es also: Einnahmen erzielen, bevor die Schadenzahlungen für ein Minusgeschäft sorgen. Und das kann künftig zu Preiserhöhungen für die Kunden führen.

Marktsituation

Deutsche Manager haben große Angst vor Cyber-Gefahren. Nach einer aktuellen Erhebung der Allianz-Versicherung werden Cyber-Risiken in deutschen Firmen vor allen anderen klassischen Unternehmensrisiken am meisten gefürchtet.

Über das Risikobewusstsein der Unternehmen und die Abschlusszahlen von Versicherungen kann sich die Versicherungsbranche demnach nicht beschweren – allerdings über die gestiegene Zahl von Schäden.

Verzeichnete der Versicherer AIG Europe im Jahr 2013 lediglich zwei Schäden in der Cyber-Versicherung, so waren es 170 im Jahr 2016. Besonders Attacken mittels Schadsoftware sorgten bei vielen Unternehmen für hohe Schäden, teilweise bis zum dreistelligen Millionenbereich. „Erpressung mit Verschlüsselungssoftware“ belegte im AIG-Bericht mit 16 Prozent Platz eins unter den Schadenursachen.1

Die durchschnittlichen Kosten eines Datenverlustes für ein deutsches Unternehmen betragen 3,42 Millionen Euro.2 Unternehmen, die das Cyber-Risiko frühzeitig ernst genommen und eine günstige Versicherungslösung abgeschlossen haben, können sich angesichts solcher Zahlen glücklich schätzen.

Kosten eines Datenverlustes …

… durchschnittlich 3,42 Mio. Euro

Quelle: Ponemon Institute, Cost of Data Breach Study: Germany, 2017

* Kosten durch Kundenverluste, Aufwendungen für Neuakquisition von Kunden, Reputations- und Imageverlust

** Kosten unter anderem für Helpdesk, interne Kommunikation, Wiederherstellung von Daten, Rechtsberatung, Preisnachlässe

Ausblick

Die steigende Zahl von Schäden, besonders die der versicherten Schäden, werden sich auf den Markt auswirken. Besonders nicht zielgerichtete Angriffe mit Verschlüsselungssoftware bergen für Versicherer ein hohes Risiko, gleich für mehrere Schäden einstehen zu müssen. Denn während bei einem zielgerichteten Angriff immer nur ein Unternehmen angegriffen wird, sind bei nicht zielgerichteten Angriffen mit Schadsoftware im schlimmsten Fall mehrere tausend Unternehmen betroffen. Bereits heute sind die Versicherer nicht mehr bereit, für jedes Risiko Deckungsschutz mit hohen Summen zur Verfügung zu stellen. Unternehmen, die vor ein oder zwei Jahren mit dem Gedanken spielten, eine Cyber-Versicherung abzuschließen, und damals erste unverbindliche Angebote eingeholt haben, müssen sich jetzt unter Umständen mit deutlichen höheren Preisen abfinden.

Markttrends

Einen Ausfall der Lieferkette nach einem Cyber-Angriff können Unternehmen aktuell nicht versichern. Denn für Versicherer ist dieses Risiko nahezu unüberschaubar, da sie dann Cyber-Risiken von Unternehmen versichern würden, deren Informationssicherheit sie zuvor nicht überprüfen konnten. Bei den aktuellen Schadsoftware-Attacken waren viele versicherte Unternehmen allerdings gar nicht direkt betroffen, sondern erlitten eine Betriebsunterbrechung, weil ein Zulieferer lahmgelegt wurde. Für Unternehmen gewinnt die Absicherung der Lieferkette damit deutlich an Bedeutung. Erste Lösungsansätze werden bereits in der Versicherungsbranche diskutiert.

Am 25. Mai 2018 tritt die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO) in Kraft. Diese legt Anforderungen und verpflichtende Maßnahmen für alle Unternehmen weltweit fest, die persönliche Daten von Personen, die sich in der EU aufhalten, verarbeiten. Neben einer Vereinheitlichung der europäischen Datenschutzgesetze sieht die Verordnung empfindliche Bußgelder und strenge Pflichten bei einem Datenverlust vor. Die Versicherungsbranche stellt sich aktuell dieser Herausforderung und unterstützt Unternehmen bei vorbereitenden Maßnahmen und mit angepassten Deckungskonzepten.

1 AIG, „Der große Hintergrundbericht: Die Ursachen von Schadenfällen in der Cyber-Versicherung“, 2017

2 Ponemon Institute, Cost of Data Breach Study: Germany, 2017

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