D&O-Versicherung

Im Bereich der Managerhaftpflicht (D&O-Versicherung) verschärft sich in diesem Jahr die Situation für deutsche Unternehmenslenker. Ein Anstieg ihrer Risiken ist in verschiedenen Feldern zu verzeichnen. Die Zahl der D&O-Schäden ist hoch. Doch trotz der gestiegenen Schäden bleibt der D&O-Markt käuferfreundlich. Insgesamt werden die modernen Financial-Lines-Risiken und -Produkte, wozu auch die D&O-Versicherung gehört, im Wortsinne „vernetzter“. Sie werden den Anforderungen des Digitalisierungszeitalters angepasst. Von der Versicherungswirtschaft ist dafür ein zunehmendes Verständnis für die neuen Risiken der Unternehmen gefordert. Gefragt sind kreative und zugleich individualisierte Lösungen. Die Beratungsinhalte sind anspruchsvoll. Neue Kundensegmente wie beispielsweise FinTechs und InsurTechs erwarten andere Ansprachen und Konzepte als traditionelle Industriekunden.

Marktsituation

Neue Financial-Lines-Versicherer betreten auch in diesem Jahr den deutschen Markt. Einige von ihnen sind große, international tätige Unternehmen. Aber auch traditionelle deutsche Versicherer öffnen sich mehr als 30 Jahre nach Markteinführung der D&O den Financial-Lines-Sparten. Beachtlich ist, dass die meisten neuen Versicherer auch für die Absicherung des Hochrisikobereichs der Finanzinstitute offen sind. Damit erhöhen sich in diesem Bereich die Kapazitäten in Deutschland. Hingegen ziehen sich zuvor im Markt etablierte Versicherer von bestimmten D&O-Risikoklassen zurück. Ausschlaggebend hierfür sind meistens große Schadenfälle im internationalen Kontext bei zugleich gesunkenen Einnahmen.

In Deutschland führen Innenhaftungsfälle des Unternehmens gegenüber Organen und Ansprüche im Zusammenhang mit Insolvenzen die Liste der D&O-Schäden an. Hinzu kommen regulatorische und behördliche Verfahren sowie Compliance-Verstöße – einschließlich straf- und ordnungsrechtlicher Sachverhalte.

Ausblick

Viele D&O-Versicherer suchen angesichts vorstehender Marktlage nach Ergänzungen ihres Financial-Lines-Angebots. Diese finden sie in artverwandten Sparten wie beispielsweise Cyber-, Vertrauensschaden-, Vermögens­schaden­haft­pflicht- und Rechts­schutz­versicherung. Häufig werden Produkte aus diesen Sparten kombiniert.

Hinzu kommen individuelle, auf die Bedürfnisse der Manager zugeschnittene Lösungen, die unabhängig vom Konzernversicherungsschutz Sicherheit bieten. Zu erwähnen ist zum Beispiel der „Top-Manager-Rechtsschutz“ für Unternehmensleiter, der zunehmend gefragt ist.

Sammelklagen (Class Actions) in den USA …

… seit 2015

Quelle: The D&O Diary

Markttrends

Für deutsche Manager und Unternehmen steigen die Risiken in den Feldern Sammelklagen, Internationales, Strafrecht, Bußgelder und Insolvenzen. Inzwischen werden auch in Deutschland Prozessfinanzierer und Online-Plattformen tätig, die Kläger „einsammeln“ und deren Ansprüche gebündelt in Massenklageverfahren geltend machen. Beim Landgericht Brauschweig sind so zum Beispiel Ansprüche in Höhe von circa 8,5 Milliarden Euro im Fall Volkswagen aufgelaufen.

Auf europäischer Ebene befasst sich aktuell die EU-Kommission mit Möglichkeiten zur Erhebung von Massenklageverfahren auch in Europa und Deutschland. Eine Ausweitung der Massenklageverfahren erscheint möglich. Ergebnisse werden zeitnah erwartet.

Nach einer Entscheidung eines US-Gerichts (Northern District of California, 04.01.2017; MDL No. 2672 CRB (JSC)) steigt das Risiko für deutsche Manager und Unternehmen, in den USA verklagt zu werden. Betroffen sind eine Vielzahl von Unternehmen, die in den USA sogenannte „Sponsored ADR I“ (American Depositary Receipts) begeben haben. Hierbei handelt es sich um Aktienzertifikate, die im US-Markt gehandelt werden. Vor der Gerichtsentscheidung ergab sich aus diesem Handel für deutsche Unternehmen kein nennenswertes Risiko, hierfür in den USA belangt zu werden. Denn nach der alten Rechtsprechung war der Bezug zu den USA in diesen Fällen nicht stark genug. Dies ist nun anders und birgt mit den teuren US-Verfahren hohe Risiken für deutsche Unternehmen. Gründe könnten zum Beispiel unzureichende Aufklärungen über risikoreiche Umstände oder Entwicklungen des Unternehmens im Rahmen der Ausgabe der ADRs sein. Anleger könnten die Unternehmen diesbezüglich mit dem Vorwurf der Täuschung verklagen.

Zugleich findet in den USA ein massiver Anstieg von Sammelklagen (Class Actions) statt. Für das Jahr 2017 wird mit circa 500 Verfahren gerechnet. 125 waren es bereits im ersten Quartal des Jahres. Im Vergleich zum Jahr 2015 wäre dies annähernd eine Verdreifachung und die bislang höchste Zahl an Sammelklagen überhaupt.

Bei Überschreitung des Ermessensspielraums (Business Judgement Rule) eines Vorstandes soll nach einer jüngeren Gerichtsentscheidung des Bundesgerichtshofs gleichsam „automatisch“ eine Strafbarkeit wegen Untreue nach § 266 Strafgesetzbuch eintreten (BGH, Urteil vom 12.10.2015, Az. 5 StR 134/15).

Das Risiko für Unternehmensleiter, ihren Unternehmen Bußgelder erstatten zu müssen, ist nach einer Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts (BAG, Urteil vom 29.06.2017, 8 AZR 189/15) gestiegen. Im Raum stehen Forderungen von circa 300 Millionen Euro, wovon etwa 190 Millionen Euro auf Bußgelder gegen einen ehemaligen Manager wegen Kartellabsprachen entfallen. Zusätzlich wird intensiv die Ersatzpflicht eines Managers im Insolvenzfall diskutiert. Das Management ist persönlich zur Erstattung von Zahlungen verpflichtet, die nach Insolvenzreife oder Überschuldung des Unternehmens geleistet werden. Hintergrund solch riskanter Zahlungen ist häufig der Versuch, die Insolvenz abzuwenden. Ein Gericht bestätigte jüngst diese Haftung des Managers (OLG Celle 8 W 20/16). Zugleich stellte es jedoch fest, dass die D&O-Versicherung für diese Zahlungen nicht eintrittspflichtig ist.

Unternehmen sollten ihre D&O-Versicherungen in allen vorstehenden Risikofeldern aufmerksam prüfen und fortlaufend an die Haftungsrisiken anpassen. Bei Bedarf sollte auch internationale Expertise hinzugezogen werden.

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