Health & Benefits

Der Fachkräftemangel und das steigende Durchschnittsalter ihrer Belegschaften machen den Arbeitgebern zu schaffen. Wobei der Fachkräftemangel je nach Branche und Region sehr unterschiedlich ausfällt.1,2 Mit einer Ausweitung betrieblicher Gesundheitsmaßnahmen und einer Steigerung der betrieblichen Nebenleistungen wollen sich die Unternehmen als attraktive Arbeitgeber präsentieren und sich für neue Mitarbeiter interessant machen. Entsendungen von Fachkräften ins Ausland stellen für Unternehmen einen wichtigen Erfolgsfaktor im weltweiten Wettbewerb dar. Gleichzeitig rückt durch terroristische Akte, politische Gewalttaten, Naturkatastrophen und lebensbedrohliche Epidemien die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers stärker in den Fokus. Auch Konzepte, mit denen die Unternehmen ihrer Sozialverantwortung gerecht werden wollen, werden zunehmend verfolgt.

Krankenstand in Deutschland
17.3
Tage
Fehltage

Im Schnitt waren die Deutschen im Jahr 2015 zweieinhalb Wochen krankgeschrieben. Körperliche Verschleißerscheinungen oder schwerwiegende Erkrankungen treten eher im Alter auf. Die Genesung älterer Mitarbeiter beansprucht mehr Zeit. Junge Kolleginnen und Kollegen sind zwar häufiger krankgeschrieben, aber in der Regel schneller wieder gesund.

15.1
Prozent
Leiden

Im Jahr 2015 geht jede vierte Krankschreibung auf Beschwerden des Bewegungsapparats zurück. Angeschlagene Herz-Kreislauf-Systeme machen weniger als 5 Prozent aller Krankheitstage aus, obwohl die Genesung dieser Fälle durchschnittlich fast drei Wochen dauert.

35.2
Prozent
Krankheitsdauer

Zwei Drittel der Krankmeldungen haben sich nach spätestens einer Woche erledigt – Kurzzeiterkrankungen, für die Mitarbeiter kein ärztliches Attest vorlegen müssen, nicht eingerechnet. Obwohl nur 7 Prozent aller Krankschreibungen auf Erkrankungen entfallen, die länger als vier Wochen dauern, beanspruchen diese Fälle mehr als die Hälfte aller Ausfallzeiten.

Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IWD), Krankenstand 2017

Icon Design: Aon & freepik.com

Marktsituation

Das Durchschnittsalter der Erwerbstätigen steigt. Im Jahr 2020 wird die Hälfte aller Arbeitnehmer älter als 50 Jahre sein. Diese Entwicklung und ein Anstieg psychischer Erkrankungen infolge hoher Arbeitsbelastungen sind mit ursächlich für längere krankheitsbedingte Fehlzeiten. Schätzungen zufolge lassen sich die krankheitsbedingten Ausfallzeiten (vor allem im Bereich der Langzeiterkrankungen) durch gezielte Vorsorgemaßnahmen um 30 bis 40 Prozent reduzieren. Die Unternehmen nutzen die Angebote jedoch bisher nur in geringem Maße. So haben nur 40 Prozent von europaweit befragten Unternehmen eine Gesundheitsstrategie für ihre Mitarbeiter entwickelt.3 Auch die betriebliche Krankenversicherung (bKV) ist in Deutschland noch nicht weitverbreitet. Dies ist auch darauf zurückzuführen, dass die bKV seit dem Jahr 2014 nicht mehr als Sachbezug steuerlich gefördert wird.

Die betrieblichen Nebenleistungen stellen mit circa 15 Prozent einen beträchtlichen Teil der Gesamtvergütung dar. Dieser Anteil wird sich weiter erhöhen, da die Nebenleistungen sich stärker auf das Engagement von Arbeitnehmern auswirken als das Grundgehalt und es den Unternehmen mit diesen Leistungen leichter fällt, sich von Mitbewerbern zu unterscheiden, als es über das Gehalt möglich ist.4

Starker Nachholbedarf besteht sowohl bei den betrieblichen Gesundheitsmaßnahmen als auch bei der Verbesserung der betrieblichen Nebenleistungen. Dies gilt für die zielorientierte Auswahl der angebotenen Maßnahmen, für die Kommunikation an die Belegschaften und für die Messung, ob die Maßnahmen zu den gewünschten Erfolgen führen.

So kennen nur 50 Prozent der Arbeitgeber die Wertigkeit der eingesetzten Nebenleistungen5 und laut einer Aon Studie nur 9 Prozent aller Arbeitnehmer die betrieblichen Nebenleistungen ihres Arbeitgebers. 15 Prozent aller Unternehmen fragen Mitarbeiter nach deren Meinung zu den angebotenen Nebenleistungen. Ein gezielter Einsatz und eine Steuerung von Nebenleistungen und Gesundheitsmaßnahmen sind auf diese Weise schwer möglich.

Im Segment International People Mobility (IPM) setzt sich 2017 der Trend der globalen Mobilität fort. So verzeichnet der Geschäftsreisemarkt mit 11,3 Millionen Reisenden aus deutschen Betrieben ein Wachstum von 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Jahr 2016 wurden 183,4 Millionen Geschäftsreisen mit einer durchschnittlichen Reisedauer von 1,8 bis 2,3 Tagen je nach Betriebsgröße registriert, wobei in den größeren Unternehmen fast die Hälfte der Belegschaft regelmäßig dienstlich verreist.6

Bei Mitarbeiterentsendungen setzt sich der Trend zu kürzeren Entsendungsdauern und einem sinkenden Altersdurchschnitt fort: 48 Prozent der entsendeten Mitarbeiter sind jünger als 35 Jahre.7

In begehrten Entsendungsgebieten wie Singapur und Brasilien lag einer Aon Studie zufolge die Inflationsrate für medizinische Produkte und Versorgung im vergangenen Jahr mit zum Teil über 15 Prozent weit über der allgemeinen Inflationsrate, was die Versicherer über eine generelle oder länderspezifische Preiserhöhung ausgleichen.

2016
Region Jährliche allgemeine Inflationsrate Inflationsrate (brutto) für medizinische Produkte und Versorgung
Weltweit2,9 %8,1 %
Nordamerika1,5 %6,0 %
Lateinamerika & Karibik6,4 %13,6 %
Europa1,6 %5,9 %
Mittlerer Osten & Afrika6,3 %11,6 %
Asien 3,2 %9,4 %

Quelle: Aon Hewitt, Global Medical Trend Rates, 2017

Ausblick

Demografischer Wandel und Globalisierung sind langfristige Trends, die sich in den nächsten Jahren fortsetzen werden.

Mit der Ausweitung der betrieblichen Nebenleistungen gewinnt eine strukturierte Kommunikation der Arbeitgeberleistungen zunehmend an Bedeutung. Dies gilt sowohl im Innenverhältnis für bestehende Belegschaften als auch im Außenverhältnis für Bewerber. Hierbei spielen Arbeitgeberbewertungsportale eine zunehmend bedeutsame Rolle. Laut dem Branchenverband Bitkom informieren sich drei von zehn Internetnutzern (29 Prozent) vorab auf Bewertungsportalen über die Unternehmen, bei denen sie sich vorstellen.

Durch die Zunahme psychischer Erkrankungen und gesetzlicher Regelungen beispielsweise im Bereich der familiären Pflege, werden von Unternehmen zunehmend die aus dem angelsächsischen Raum kommenden Employee-Assistance-Programme (EAP) eingesetzt. Diese bieten den Mitarbeitern eine (meistens telefonische) anonyme Beratung bei persönlichen und familiären Problemen an.

Studien aus den USA zeigen, dass sich die Investition in EAP für die Arbeitgeber lohnt. Durch den anhaltenden Anstieg der Altersstruktur in den Unternehmen vieler Branchen werden Investitionen in die Prävention und die Gesunderhaltung der Belegschaft weiter an Bedeutung gewinnen.8

Technologische Neuerungen wie Online-Portale und Apps, mehrsprachiger Kundenservice, Angebotsflexibilität sowie die Berücksichtigung von Compliance-Regeln sind Voraussetzungen für ein wettbewerbsfähiges Angebot eines Versicherers. Darüber hinaus beschäftigen sich 70 Prozent der deutschen Mittelständler mit Fragen der Sicherheit auf Geschäftsreisen9, was den Markt für neue Produktlösungen öffnet. Dies führt zum einen dazu, dass internationale Versicherer verstärkt auf den deutschen Markt drängen, zum anderen gewinnt die Thematik der Mitarbeiterentsendung weiter an Komplexität.

Nur 9 % der Arbeitnehmer kennen die Nebenleistungen ihres Betriebes.
Nachholbedarf
besteht bei betrieblichen Gesundheits­maßnahmen und der Verbesserung der betrieblichen Neben­leistungen.

Markttrends

Im Bereich der bKV ist die Zahl der Marktteilnehmer weiter begrenzt – aber sie wächst langsam. Die Tarife der Versicherer werden sich weiter differenzieren und an die Bedürfnisse der Arbeitgeber und deren Belegschaften angepasst werden. Parallel werden die digitalen Angebote der Versicherer zunehmend ausgeweitet. Lösungen, die mehrere Sparten der betrieblichen Gesundheitsförderung zusammenfassen, reduzieren die Komplexität und den Abstimmungsbedarf der Personalabteilungen deutlich – und die Messung des Erfolges der eingeführten Maßnahmen wird erleichtert. Demgegenüber stehen die Komplexität der Versicherungsprodukte und die über die Altersklassen unterschiedliche Nutzung der (digitalen) Informationsmedien. Die Nutzung weiterer Kommunikationskanäle Richtung Belegschaft, wie zum Beispiel Beratungstage vor Ort, ist daher für eine erfolgreiche interne Kommunikation der Angebote unabdingbar.

Darüber hinaus werden auch arbeitnehmerfinanzierte Konzepte ohne Gesundheitsprüfung durch die Versicherer bereitgestellt. Bei den biometrischen Risiken, die das Leben und den Lebensunterhalt der versicherten Person betreffen – wie Berufsunfähigkeit, Erwerbsunfähigkeit und Pflegebedürftigkeit –, ist dies schon länger der Fall. Mittlerweile werden diese Konzepte auch als Kranken(zusatz)versicherung angeboten.

Um internationale und lokale Compliance-Richtlinien einzuhalten, schließen die Versicherer Kooperationsverträge oder übernehmen lokale Dienstleister. Gleichzeitig setzt sich der Trend zu globalen Policen mit zentraler Verwaltung fort. Dies hat zur Folge, dass die Versicherer ihre Produkte an die veränderten Marktbedürfnisse anpassen müssen.

1 Bundesagentur für Arbeit, Fachkräftesituation in Deutschland

2 Kundendienst-Verband Deutschland e.V. (KVD), Regional starke Unterschiede bei Fachkräftemangel

3 Aon EMEA Health Survey 2016

4 Hay Group, Studie: Nebenleistungen wichtiger als Grundgehalt

5 F.A.Z.-Fachverlag: Werden Nebenleistungen zur Nebensache?

6 Verband Deutsches Reisemanagement, Geschäftsreiseanalyse 2017

7 HR Magazine/Expat-News

8 BJCAP, Study Proves High Return on EAP Investment

9 Verband Deutsches Reisemanagement, Geschäftsreiseanalyse 2017

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