Kfz-Versicherung

Deutsche Unternehmen mussten für die Absicherung ihrer Kfz-Flotten jahrelang Preiserhöhungen akzeptieren. In diesem Jahr gibt es eine Trendwende: Zum ersten Mal sind die Preise der Versicherung für Neukunden gesunken. Der Markt wird wieder käuferfreundlich.

Marktsituation

Rund 25 Milliarden Euro haben die Deutschen im vergangenen Jahr für Kraftfahrtversicherungen ausgegeben. Damit ist die Kfz-Versicherung die größte Sparte der Schaden- und Unfallversicherung. Den größten Teil ihrer Einnahmen mussten die Versicherer für Schäden aufwenden: Die Schadenkostenquote für den gesamten Kfz-Versicherungsmarkt betrug im vergangenen Jahr 99 Prozent. Das kleine Plus, das die Kfz-Versicherer damit erwirtschaftet haben, verdanken sie den Privatkunden.

In der Kfz-Flottenversicherung, also mit ihren Unternehmenskunden, schreiben die Versicherer Verluste. Die Schadenkostenquote für Kfz-Flotten betrug im vergangenen Jahr 107 Prozent und wird sich nach ersten Berechnungen im Jahr 2017 nicht verändern.

Trotz aller Diskussionen um die sinkende Bedeutung des Autos und die steigende Beliebtheit des Carsharings: In Deutschland werden immer mehr Fahrzeuge versichert. Die Zahl der Verträge steigt seit Jahren kontinuierlich. 116,6 Millionen Verträge aus den Bereichen Haftpflicht, Kasko und Kraftfahrtunfall werden die Versicherer voraussichtlich Ende dieses Jahres abgeschlossen haben. Das sind 2,4 Millionen Verträge mehr als im Vorjahr. Im Jahr 2016 waren es noch 114,2 Millionen.

Der durchschnittliche Preis für eine Teilkaskoversicherung ist im vergangenen Jahr erstmals seit dem Jahr 2010 gesunken: Er beträgt 89 Euro (Vorjahr: 90 Euro). Obwohl ein Ersatz der Windschutzscheibe, der typische Teilkaskoschaden, durch die verbaute Technik in den heutigen Fahrzeugen deutlich teurer ist, war der Preis für die Teilkaskoversicherung im Jahr 2016 damit günstiger als vor zehn Jahren (2006: 91 Euro).

Prämien- und Schadenentwicklung …

… in der Kfz-Versicherung

* Hochrechnung

Quelle: GDV

Ausblick

Unternehmen dürfen damit rechnen, künftig weniger für ihre Kfz-Flottenversicherung bezahlen zu müssen. Denn die Kfz-Versicherer kämpfen im Zuge der Trends zu selbstfahrenden Autos und Carsharing um Marktanteile, die sie sich mit günstigeren Preisen erkaufen wollen. Die Einnahmen, die die Versicherer mit bestehenden Unternehmenskunden erwirtschaften werden, dürften daher in den kommenden Jahren zurückgehen. Kompensieren können die Versicherer diese Einnahmeausfälle durch Neugeschäft, da seit Jahrzehnten jedes Jahr für zusätzliche Kfz-Risiken auf dem deutschen Versicherungsmarkt nach Deckungsschutz gesucht wird.

Markttrends

Der Trend zum autonomen Fahren ist unumkehrbar. Langfristig wird der Fahrer eines Autos dieser Bezeichnung nicht mehr gerecht. Er wird zum Passagier seines Fahrzeugs. Diese Entwicklung vollzieht sich in mehreren Automatisierungsstufen: vom teilautomatisierten Fahren über das hochautomatisierte und das vollautomatisierte Fahren bis zum autonomen Fahren. Im Zuge dieser Automatisierungsstufen werden Kfz-Unfälle und Schadenhöhen zurückgehen – die Kfz-Haftpflichtversicherung wird für ein Fahrzeug nach heutigem Verständnis nahezu bedeutungslos und für diese Versicherungsart werden die Versicherer deutlich spürbare Einnahmeeinbußen verzeichnen. Für die Versicherungswirtschaft birgt dieser Prozess große Herausforderungen. Denn auch die Kaskoversicherungen werden im Zuge dessen an Bedeutung verlieren. So können zum Beispiel vernetzte Autos eine Fahrt bei Hagelschauer selbstständig meiden. Auch Diebstähle werden zunehmend erschwert.

Die Digitalisierung und neue Assistenzsysteme bieten den Versicherern vor der Ablösung ihres alten Geschäftsmodells in den kommenden Jahren jedoch auch Vorteile. Durch die gewonnenen Daten über Fahrverhalten und Unfallursachen können sie die Versicherungspreise besser bestimmen. Kunden, die ein unauffälliges Fahrverhalten an den Tag legen, können von dieser Entwicklung durch niedrigere Versicherungskosten profitieren.

Ein anderer Trend, der den Kfz-Versicherern zu schaffen macht, ist der Statusverlust des Autos. Vielen Menschen ist es nicht mehr wichtig, ein eigenes Fahrzeug zu besitzen. Besonders in Ballungsräumen gibt es mehrere Möglichkeiten, ohne einen eigenen Pkw mobil zu sein. Der Versuch der Versicherer, diesem Trend durch Kooperationen mit Autoherstellern und Händlern entgegenzuwirken, indem der Abschluss einer Versicherung eng mit dem Kauf eines Fahrzeugs verknüpft wird, führt lediglich zu einem Verdrängungswettbewerb auf einem insgesamt schrumpfenden Markt für Privatfahrzeuge. Da also immer weniger Menschen eigene Autos nutzen, gehört die Zukunft dem Flottenmarkt. Durch Carsharing-Anbieter wird dieser auch in den kommenden Jahren wachsen.

Doch die Flottenbetreiber sind anspruchsvolle Kunden. Sie fordern von den Versicherern vermehrt Selbstbehaltsmodelle. Teilweise nehmen Unternehmen den kompletten Kaskobereich ihrer Kfz-Flotten ins eigene Risiko oder sichern sich lediglich gegen Hagel oder Diebstahl ab. Auch im Kfz-Haftpflichtbereich wird vermehrt nach Aggregatlösungen oder Einzelselbstbehaltslösungen gefragt. Für die Versicherer führen diese Trends zu niedrigeren Einnahmen. Die Flottenbetreiber hingegen, die über ein gutes Kfz-Risikomanagement und eine professionelle Schadenabwicklung verfügen, freuen sich über niedrigere Kosten. Versicherer, die den Flottenkunden in diesen Bereichen Lösungen anbieten können, werden mittelfristig noch auf dem Verdrängungsmarkt der Kfz-Versicherung einen Wettbewerbsvorteil haben. Langfristig, wenn die letzte Stufe der oben beschriebenen Automatisierung erreicht ist, wird das gesamte Geschäftsmodell infrage stehen.

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