Warentransport­versicherung

Die Preise der Transportversicherung sind nach Jahren der Stagnation erstmals erkennbar gestiegen – von einem Trend kann jedoch noch nicht gesprochen werden. Sollten Unternehmen trotzdem weitere Preissteigerungen fürchten, ist es für sie nur schwer möglich, die Versicherungsverträge für länger als ein Jahr abzuschließen, um sich die aktuellen Konditionen langfristig zu sichern.

Marktsituation

Die deutsche Wirtschaft hat erstmals seit einigen Jahren im Jahr 2016 wieder deutlich mehr Geld für die Versicherung ihrer Transportrisiken ausgegeben. Dies ist eine Trendwende, denn in den Vorjahren waren diese Ausgaben leicht rückläufig. In Summe haben sich die Preise für Warentransportversicherungen in einem Zeitraum von fünf Jahren um 6 Prozent, also um etwa 1,2 Prozent je Jahr, erhöht.

Hierdurch erfolgte eine deutliche Annäherung an die im Zusammenhang stehenden gesamtwirtschaftlichen Werte, wie beispielsweise die deutschen Exporte im Vergleichszeitraum. Allerdings ist diese Preissteigerung nicht ursächlich auf eine Anpassung an die deutsche Handelsbilanz zurückzuführen. Vielmehr zeigt ein Blick auf die Versicherungsleistungen, die die deutsche Wirtschaft ausgezahlt bekommen hat, dass zum Beispiel im Kalenderjahr 2015 erheblich mehr Geld an Unternehmen ausgezahlt wurde, als dies im Vorjahr von den Versicherern geschätzt worden war. Die Ursache hierfür liegt in einem Explosionsschaden im chinesischen Hafen Tianjin, bei dem es nach Schätzungen der chinesischen Presse (Global Times, Peking) zu einem Versicherungsschaden von etwa 1,1 Milliarden US-Dollar gekommen ist.

Weitere Schadenereignisse, die allein aufgrund ihrer Größe einen Einfluss auf die Versicherungspreise der Zukunft hätten, sind seither allerdings nicht eingetreten. Auch die Insolvenz der Reederei Hanjin, die im August 2016 einen Antrag auf Gläubigerschutz gestellt hatte und im Februar 2017 gerichtlich für insolvent erklärt wurde, hat zwar für eine Vielzahl von kleineren Schäden gesorgt – die Summe der an die Versicherungskäufer ausbezahlten Entschädigungen wird jedoch keinen nennenswerten Einfluss auf die künftigen Preise haben.

Deutsche Exporte …

… von 2012 bis 2016

Quelle: Statista

Prämien- und Schadenentwicklung …

… in der Warentransportversicherung

Quelle: GDV

Ausblick

Die Preise sind gestiegen, allerdings im Verhältnis zu den geleisteten Schadenzahlungen in überschaubarem Maße. Zudem handelt es sich nicht um eine pauschale Preiserhöhung für alle Käufer von Versicherungsschutz, sondern vielmehr um punktuelle Erhöhungen.

Und diese Entwicklung wird sich fortsetzen: Versicherungseinkäufer, die in starkem Maße in den vergangenen Jahren Versicherungsschutz in Anspruch genommen haben, müssen im Einzelfall mit Preiserhöhungen rechnen. Pauschale Steigerungen für alle oder auch für bestimmte Industriebranchen sind nicht absehbar.

Es gibt jedoch einen allgemeinen Trend zur Einführung oder Erhöhung von Eigentragungen, durch die Käufer von Versicherungsschutz regelmäßig an den eingetretenen Schäden beteiligt werden. Hier gilt allerdings, dass sich diese Selbstbeteiligungen im Vergleich mit anderen großen internationalen Versicherungsmärkten auf niedrigem Niveau befinden.

Ferner wird es zunehmend schwieriger, stationäre Risiken, das heißt Läger in jeder denkbaren Form, in der bisher gelebten Pauschalität zu versichern. Auch wenn eine Absicherung möglich bleibt, müssen mittlerweile häufig Detailinformationen zum Risikoort geliefert werden.

Markttrends

Ungeachtet der Frage, ob ein Versicherer wirtschaftlich erfolgreich sein kann, wenn er im beschriebenen Umfeld seinen Kunden Transportversicherungen anbietet, gibt es unverändert eine Vielzahl von – auch immer wieder neuen – Anbietern. In der Konsequenz können es die Unternehmenskunden verschmerzen, dass der eine oder andere „Traditionsversicherer“ mit großem Renommee seine Marktanteile reduziert und dabei eine mangelnde Wettbewerbsfähigkeit bewusst in Kauf nimmt.

Die Warentransportversicherung bietet den Kunden seit jeher sehr umfangreichen Versicherungsschutz; in Deutschland noch viel weitgehender als beispielsweise in Großbritannien. Die dort in den gängigen Bedingungen häufig enthaltenen Ausschlüsse für Schäden durch beispielsweise Piraterie oder Cyber-Risiken findet man in Deutschland nicht – dies wird sich auch kurzfristig nicht ändern.

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